Nitzer Ebb

wir sind eine echte rockband

17.03.1995, 18:40, Text: Autor unbekannt

Die Produktion des aktuellen Albums \"Big Hit\", das in der neuen Wahlheimat L.A. entstand, trieb Doug fast in den Wahnsinn: \"Den ersten Produzenten hatten wir gefeuert. Dann kam U2-Produzent Flood, den wir seit 1986 kennen. Zunächst lief alles gut, bis er plötzlich ein, zwei Sachen für Bono machen sollte. Ich kann mich noch an seine Worte erinnern: 'In ein paar Wochen bin ich wieder da.' Aus den paar Sachen für Bono wurde das 'Zooropa'-Album, und aus den Wochen wurden Monate, in denen wir allerdings Gelegenheit hatten, endlich einen Drummer zu finden.\" Diese Suche gestaltete sich mehr als schwierig. Bei diversen Gigs in der näheren Los Angeles Metropolitan Region probierten sie insgesamt drei Drummer aus, z.

B. auch Ex-PIXIES-Trommler Dave Lovering, den man aber nach einigen Sessions zugunsten des völlig unbekannten Jason Payne verstieß.
Daß trotz all dieser Querelen ein gutes Album produziert werden konnte, lag nicht zuletzt an den unzähligen Live-Auftritten, die NITZER EBB in den letzten drei Jahren absolvierten. Darunter eine Russland-Tour, die vom \"Art Council\", einem britischen Gegenstück zum deutschen Goethe-Institut, organisiert wurde und die Band an ebenso freundliche wie für Tourneen völlig selbstverständliche Orte im hintersten Sibirien führte, z. B. nach Nowosibirsk oder auch \"... an einen merkwürdigen Ort in Usbekistan, dessen Name ziemlich lang war\" und wo bis zu dem Zeitpunkt noch keine westliche Band gespielt hatte. Daß sich nun gerade die nicht für leichte Kost bekannten NITZER EBB um die musikalische Jungfräulickeit der russischen Jugend kümmern sollten, war weder den russischen Behörden noch dem Publikum (wie auch?) bekannt, noch war sich die Band darüber im klaren. \"Das Konzert war im Winter. Aber die Halle war wahnsinnig voll, und nach der Hälfte des Konzerts wurde uns warm. Also haben wir uns ausgezogen, was zu erstaunten Gesichtsausdrücken führte. Die sind völlig schockiert, haben wir geglaubt. Am nächsten Tag haben wir dann nochmal in der gleichen Halle vor fast den gleichen Menschen gespielt, und als wir wieder damit begannen, uns auszuziehen, was glaubst du wohl, was da passierte, na?\" - Ratloses Gesicht beim Autor. - \"Sie haben sich auch ausgezogen. Alle. Und es war das größte Happening, das ich jemals erlebt habe. Mitten in Sibirien.\"
Vom Produzieren neuer Platten hält Doug zur Zeit erstmal gar nichts. Zu sehr hat ihn die letzte Produktion angestrengt. Erholung ist aber auch nicht angesagt, denn jetzt geht's auf Tour (\"... nicht nach Russland. Das Fliegen da ist mir zu spannend!\"), die sie im Mai auch nach Deutschland bringen wird.



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aus Intro #23 (April 1995)
 
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