Sullen
"what up, man?"
10.03.1995, 11:24, Text: Autor unbekannt
SULLEN existieren seit 1990, gegründet von David und Gitarrist Don Calhoun. Hier und da wurden Schlagzeuger und Gitarristen ausprobiert, die jetzige Instrumentalbesetzung spielt nun schon seit drei Jahren zusammen. Als letzter kam Rapper John Newlin dazu, der SULLENs Musik den passenden vokalen Schliff verpaßte und sie zu dem machte, was sie heute ist, ohne jedoch die Stilrichtung zu verändern. Er selbst kommt sogar aus der puren HipHop-Szene und mußte sehr viele Kompromisse eingehen, um mit der gespielten Musik klarzukommen. \"Inzwischen fährt er aber voll auf diese Musik ab und ist absolut involviert. Er ist wie ein Schwamm: Du gibst ihm Information, er saugt sie auf und versucht sie für sich zu nutzen.
Die Band bezeichnet ihren Stil - wie übrigens viele amerikanische Bands - schlicht als \"music\", mit Schubladen wie Crossover oder Metal-Rap möchten sie nicht operieren. Bassist David dazu: \"Man kann doch auch einfach zwischen guter und schlechter Musik unterscheiden. Denkt man in Schubladen, limitiert man sich nur. Der Begriff 'Crossover' kommt sowieso aus dem europäischen Raum und wird in Amerika überhaupt nicht verwandt. Dasselbe gilt für 'Alternative'. Alles, was nicht kategorisiert werden kann, ist 'Alternative'. So ein Unfug! Wenn jemand unbedingt ein Label für diese Art von Musik braucht ... 'Freiheit'! Darum geht es letztendlich.\"
In den Songs von SULLEN spielen die Texte eine grundsätzliche Bedeutung. Zwar geben die Musiker zu, nichts Neues zu verbreiten, doch als Reflexion von dem, was sie sehen, behandeln sie Themen von großer Wichtigkeit, ohne ständig darauf hinzuweisen, daß sie voll von der Sraße sind und den ganzen Motherfuckern mal zeigen wollen, wo das real hard life abgeht. \"Im Song 'Mr. Mister' geht es um Obdachlose in L. A., die durch Bettelei versuchen zu überleben. Manche Leute gehen einfach vorbei und versuchen, dem sogenannten 'Abschaum der Gesellschaft' so wenig Beachtung wie möglich zu geben. Ich kann so ein Verhalten nicht verstehen, denn die Gründe dafür, daß diese Leute auf der Straße liegen, sind oft zu komplex, um diese armen Menschen einfach auszugrenzen. Stell dir vor, dir würde durch einen dummen Zufall die Existenzgrundlage entzogen, und niemand böte seine Hilfe an. Zu sagen, der gibt das Geld sowieso nur für Drogen aus, reicht nicht. Man kann demjenigen ja für den gleichen Wert Essen kaufen.\" Also kann man dem Bassisten eine drogenfeindliche Einstellung zusprechen?
\"Na ja, ich will keinem vorschreiben, wie er sein Leben zu führen hat, aber aus persönlichen Erfahrungen bin ich zu der Entscheidung gekommen, daß Drogen in meinem Leben keine Rolle mehr spielen sollten. Aber das zu predigen, ist scheiße. Daran hat die Straight Edge-Bewegung von Anfang an gekrankt.\" Was man wohl so stehenlassen kann.
Beim anschließenden Konzert zeigte sich, daß SULLEN noch an sich arbeiten können, bevor sie die überragende Aggressivität und explosive Intensität von DOWNSET erreichen. Eine gute Basis ist mit dem ersten Album aber auf jeden Fall geschaffen.
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