Optimum Wound Profile

still wound but ... profil optimiert

05.03.1995, 11:30, Text: Autor unbekannt

Glücklicherweise gibt es aber auch heute noch Acts, die kreative Kurzatmigkeit nicht durch massive Präsenz an der Zurückmix-Börse und Erstplazierungen bei \"Serial-killer-tradecard-daten-zitier-Wettbewerben\" ausgleichen müssen. OPTIMUM WOUND PROFILE konnte man zwar aufgrund ihrer anarchischen Lärmattacken, gekoppelt aus handmalträtierten Gitarren und gesampelten Getthowelt-Collagen, trotz ihrer Anglopunk-Wurzeln bisher leicht auf einen Ameisenhaufen mit all den anderen MINISTRY-Klonen werfen, aber zu Hause gefühlt haben sie sich dort nie. Nach der Trennung von ihrer alten Company und dem Weggang von Sänger Phil, der in Ausdruck und Attitüde wohl zu sehr den von der Plattenfirma übergestülpten Klischees verpflichtet war, hat die Band bei \"We Bite\" eine neue Heimat gefunden und mit \"Asphyxia\" ein Album veröffentlicht, das sich wohltuend von den meisten Veröffentlichungen des Genres abhebt.

Schmerz ohne Piercings. Wut ohne \"I hate people\"- Phrasengedresche und kiloweise spannend genutzte Spielzeit ohne die \"Fünf sind geladen, zehn sind gekommen, gieß Reznor, Engler oder Jourgensen zur Suppe und heiß alle willkommen\"-Methode. Laut eigener Aussage eine wohldurchdachte Angelegenheit. Sah man sich vorher in ein Korsett gezwungen, nutzten OPTIMUM WOUND PROFILE die frisch gewonnene Freiheit, um endlich einmal die Platte zu machen, die sie eigentlich immer schon machen wollten, ein verspätetes Debüt quasi. \"Asphyxia\" erscheint Song-orientierter und melodischer als die beiden Vorgänger, ist im Prinzip aber nur die von leeren Posen entschlackte Version des Stoffs, den sie immer schon gemacht haben, und hat deshalb auch nichts an Härte und Agressivität verloren. Im Gegenteil: Durch den Blick aufs Wesentliche ist das Album fast noch wuchtiger ausgefallen als \"Lowest Commen Dominator\" und \"Silver Or Lead\", ohne dabei jedoch in aufgesetzten Brachialbombast abzugleiten.
Simon Finbow singt nun alleine. In Stücken wie \"Kiss Of The Papal Ring\" und \"Corrupt On Earth\" schafft er es, die lyrische Intensität der Texte so kongenial umzusetzen, daß man auf Phil Vanes Schreienwennwehtut- und Nochlauterschreienwenntraurig- Taktik gerne verzichtet. Wer braucht den Wink mit dem Betonpfeiler, wenn er's auch mit dem Marterpfahl haben kann?
Spricht man mit der Band, kann man sich allerdings oft nur unschwer des Eindrucks erwehren, mit einem Enthusiasmus konfrontiert zu werden, der dem frisch kapitalisierter/konterrevolutionierter Ex-Ostblöckler nicht ganz unähnlich ist. Grund zum Jubel gibt es auf jeden Fall: Die Platte ist groß, größer als die alten, aber muß man die Vergangenheit deshalb verteufeln? Endlich weg von der Trendkacke, wurde sofort die Chance genutzt, einmal so richtig auf dieselbe zu hauen. Nichts scheint der Band mehr am Herzen zu liegen, als immer wieder zu betonen, wie wenig man von diesem Surfen auf Chartpfurzen, dem Zurechtschnitzen auf handliches Windschattenformat hält und eigentlich immer schon gehalten hat. Jumpin' on the bandwagon war eigentlich nie ein Teil des Programms, wurde aber leider gefordert. Bleibt natürlich die Frage, inwiefern so etwas tatsächlich allein der bösen, bösen Plattenfirma zuzuschreiben ist, oder ob man das Spielchen nicht eine Zeit lang ganz gerne mitgespielt hat.



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aus Intro #23 (April 1995)
 
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