Weezer

28.02.1995, 18:37, Text: Autor unbekannt

Einige Kritiker und Konsumenten bezeichnen den Stil dieser Bands gar nicht als Punk. OFFSPRING spielen etwas härter, WEEZER melodischer. Doch mit den RAMONES oder den SEX PISTOLS hat ihre Musik nur indirekt zu tun, mehr vielleicht mit HÜSKER DÜ und den REPLACEMENTS. Wenn MTV einsieht, daß die Videos einer Indieband wie OFFSPRING praktisch als Endlosschleife laufen müssen, weil das Volk es so will, dann ist das Konsens, nicht Rebellion (wogegen auch?). \"Smash\", \"Dookie\" und \"Weezer\" sind Powerpop oder auch schlicht die Zwischenergebnisse einer logischen Entwicklung des US-Rock.
Daß Ric Ocasek (CARS) ihnen das Album produziert hat, ist fast ebenso folgerichtig.

\"Es war perfekt für uns\", sagt Pat Wilson, der Schlagzeuger. \"Wir wußten ja, daß er mit Bands wie den BAD BRAINS gearbeitet hat. Eigentlich wollten wir die Platte selbst produzieren, aber das Label überredete uns, wenigstens mit einigen Produzenten zu sprechen.\"
WEEZER sind durch und durch amerikanisch, was ihr Denken, ihre Ideen, Musik und Texte und besonders das aktuelle Video \"Buddy Holly\" angeht. Amerikaner kriegen die Single schon wegen der Bilder nicht aus dem Ohr - ein ähnlicher Effekt wie bei dem neuen Clip von DER TOBI UND DAS BO, der die Augsburger Puppenkiste zitiert. WEEZERs Video-Regisseur Spike Jonze erinnerte sich an die in den Siebzigern und Achtzigern höchst erfolgreich gelaufene TV-Serie \"Happy Days\" und stellte im Studio die Dekoration von \"Arnold's\" nach, dem Diner, in dem sich die Figuren der Serie zu treffen pflegten. Er steckte die Musiker in zeitgemäße gelbe Strickpullover, füllte das Restaurant mit Statisten in nachgeschneiderten Kostümen und filmte \"Buddy Holly\" als \"Happy Days\"-Liveauftritt. Dazwischen schnitt Jonze Originalszenen aus der Serie mit den legendären Figuren von The Fonz, Richie, Potsie und Ralph Malph. \"Können die Leute hier irgendwas mit 'Happy Days' anfangen?\" sorgt sich Pat Wilson. \"Wenn nicht, haben wir vielleicht ein Problem ... Wir fragen uns, ob der Clip außerhalb Amerikas überhaupt funktioniert. Im nächsten Video kommt deshalb Raumschiff Enterprise vor. Wir haben gehört, das sei hier populär. Wir nehmen dann Figuren, die in der Kultur Europas wichtig sind.\" Gitarrist Brian Bell denkt noch weiter: \"Ich würde ja David Hasselhoff als Hauptperson nehmen ...\" Pat: \"Absolut. Wenn uns das ein bißchen Glaubwürdigkeit hierzulande verschafft, dann machen wir das Video auch mit 'Baywatch'!\" (Wie wär's mit Bugs Bunny und Speedy Gonzalez? - Anm. d. Tipse!) Es überrascht wenig, wenn Pat sagt: \"WEEZER ist definitiv keine politische Band. RAGE AGAINST THE MACHINE sind okay, aber wir selbst sind einfach nicht so drauf, daß wir auf die Straße gehen, sehen, was dort alles an Gewalt und Verbrechen passiert, und dann darüber schreiben.\" Brian blickt ihn todernst an und erklärt schließlich sehr langsam und deutlich: \"I won't do what they tell me ...\", woraufhin beide lachen. Die Themen von WEEZER sind die gleichen wie bei vielen jungen, weißen Rockbands: Langeweile, Abhängen, das Heranwachsen in öden Vorstadtkulturen, das Außenseiterdasein derjenigen, die Schul- und Familienrituale nur unwillig mitmachen. In \"Surf Wax America\" machen sie sich über Büromenschen lustig, die mit dem Wagen im Stau stecken, während sie selbst auf dem Surfbrett Spaß haben. \"In The Garage\" ist ein fast rührender Song über einen Jungen, der sich nur in der elterlichen Garage wirklich wohl und sicher fühlt, wo er Gitarre spielen und KISS-Poster aufhängen kann. Allerdings hat er nicht die glamourösen Gene Simmons und Paul Stanley, sondern Ace Frehley und Peter Criss an der Wand - \"die unbeliebten, uncoolen Mitglieder von KISS\", sagt Brian. \"Die, die ihr Geld zum Fenster hinauswarfen und insgesamt blöd waren\", ergänzt Pat. Sänger Rivers Cuomo schreibt die Texte voller genauer Beobachtungen, Offenheit und Ironie. Stellenweise scheint unbekümmerte Überheblichkeit durch, und im Fall von \"No One Else\", in dem Cuomo erzählt, wie er seine Freundin dominiert, wird die Offenheit sogar zum Problem. \"Rivers würde das als den sarkastischen, rücksichtslosen, eifersüchtigen Teil von sich selbst beschreiben\", sagt Pat. Beide geben zu, daß sie mit dem Stück ihre Schwierigkeiten hatten. \"Es ist schrecklich, heutzutage noch zu sagen, daß man seine Freundin nur für sich haben will, ihr keine Freiheit gönnt\", erklärt Brian. \"Andererseits kann ich das Gefühl zumindest verstehen.\" Offenheit auch hier.



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aus Intro #22 (März 1995)
 
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