Monster Magnet

muß denn rockmusik böse sein?

21.02.1995, 12:02, Text: Autor unbekannt

MONSTER MAGNET ist wie eine Droge, ein Sturm aus Pillen, mächtigen Autos und Schmuddelsex. \"I've got mushroom clouds in my hands, and a place in my head for you ...\" (\"All Friends And Kingdom Come\"/\"Dopes To Infinity\"). Dave Wyndorf, Sänger/Gitarrist/Produzent der (zukünftigen Publikums-)Magneten, erzählte im Office seiner Plattenfirma über die Bösartigkeit des Rock'n'Rolls, über unsinnige Texte & T.REX sowie über Lederjacken, die vor 1971 gefertigt worden sind.
An was glaubt er? \"Ich glaube an die Arbeit - harte Arbeit -, an Liebe, an die Freiheit der Ausdruckskraft und an Freundschaft.\" Wobei das Schreiben von Songs nicht als harte Arbeit tituliert werden sollte, eher schon das Transferieren der Lieder zu den Menschen.

\"Sometimes I think this pig will explode, sometimes I think this torture goes on ...\" (\"Third Alternative\"/\"Dopes To Infinity\"). MONSTER MAGNET, die 1989 mit ihrer Cassette \"Forget About Life, I'm High On Dope\" auf \"Cool Beans\" debütierten und 1990 mit einem weiteren Tape namens \"I'm High, What Are You Gonna Do About It\" ihre Karriere in die richtigen Umlaufbahnen lenkten, veröffentlichten - mal abgesehen von diversen Singles und E.P.s - bis dato mit \"Spine Of God\" (\"Caroline\"), \"Superjudge\" (\"A&M/Polydor\") sowie dem am 06. Februar offiziell in die Umlaufbahn geschossenen \"Dopes To Infinity\" (\"A&M/Polydor\") drei Full-time-Longplayer. Ihnen hängt der Ruf des \"vom Bösen umwobenen\" hinterher. Muß denn Rock'n'Roll böse sein?
\"Ich glaube nicht, daß es ein Muß ist, aber es wirkt interessanter. Ich denke, der Rock'n'Roll startete mit etwas Bösartigkeit in sich, mit einem kleinen bißchen EXZESS!\" So jedenfalls sieht es Wyndorf. Etwas anders verhalten sich seine Gedanken dagegen zum Thema \"Charles Manson\": \"Es besteht keine übermäßige Faszination in Sachen 'Charles Manson'. Ich glaube, es besteht eher eine übermäßige Faszination der deutschen Presse an diesem Sachverhalt\", Wyndorf lacht. \"Ich denke, Charles Manson war eher eine Art Popstar in meinen Augen, als ich noch ein Kind war. Die Leute denken in ihren Köpfen, daß ich eigentlich total wie Manson bin, bin ich aber nicht! Ich habe viele andere Dinge im Kopf, die ich vorrangig bedenken muß.\" Der Sänger amüsiert sich, als ihm zu Ohren kommt, daß eine Vielzahl von Bekannten des Autoren dieser Zeilen (der ihn selber abgrundtief verabscheut) Manson verehren, einer sogar lauter \"Hackebeilchen\" über seiner nächtlichen Ruhestätte hängen hat(te). \"Ich weiß nicht, warum Leute so etwas mögen - vielleicht ist es 'cool'? Das macht es so mächtig.\" \"All the blazing suns, suck up all the gods and punks, it's enough to change your life and you know I love to come\" (\"King Of Mars\"/\"Dopes To ...\"). Die audiovisuellen Untermalungen der MONSTER MAGNET-Songs entsprechen in einer indirekten Art den Erfahrungen Wyndorfs, sollen in erster Linie aber zur Melodik der Musik passen. Kennt er Marc Bolan und T.REX? Waren nicht die Wortschöpfungen dieses leider 1977 verstorbenen Poeten und Songwriters genauso kontrovers, futuristisch bzw. \"verspaced\" abgehoben? \"Sicherlich kenne ich Marc Bolan. I'm a big fan, big fan! Und - verdammt, du hast recht - ich habe niemals darüber nachgedacht, aber es bestehen Ähnlichkeiten. Great! Bolan hätte niemals über so banale Dinge wie Sex im Auto oder so gesungen. Ich höre T.REX, it makes perfect sense to me.\" Wyndorf bevorzugt die frühe T.REX-Phase, \"The Slider\" von 1972 war das letzte Album, daß er richtig genoß. Er kann sich genau wie der Verfasser noch gut an die Siebziger erinnern, gehören beide doch fast einer Generation an (der MONSTER MAGNET-Kopf ist 33). Hat er keine Angst, um beim Beispiel Bolan zu bleiben, eines Tages mit Gewichts-Problemen zu kämpfen zu haben, durch übermäßigen Drogen- sowie Alkoholgenuß eventuell einen aufgeschwemmten Körper sein eigen nennen zu dürfen? \"Ja, natürlich ist diese Angst vorhanden, jeder hat wohl derlei Ängste, niemand möchte 'abgefuckt' enden. Hoffentlich weiß ich, wann ich mit diesem Lebensstil aufzuhören habe.\" Letztendlich befindet er sich in einer komischen Situation: Wie sollte jemand wie er plötzlich mit dem Leben eines Performers brechen, den Drogen abhold werden? \"Dafür sind Leute wie du da, um mir zu sagen: 'Oh Dave, you look horrable, go home!\" Auf mein Intervenieren, alles sei okay, solange einem am darauffolgenden Tage noch richtig übel werde, und ernsthafte Zweifel müßten erst aufkommen, wenn man sich \"am Tag danach\" mit den ersten Gedanken nach einem Bier sehne, entgegnet Wyndorf nur, daß er in den wenigen Monaten seit seinem Karrierebeginn schon mehr in sich hineingetan habe wie in seinem gesamten Leben zuvor und daß er schon oftmals an besagtem Punkt war.
Wir wissen nicht, was der freundliche Leser von nebenan empfiehlt, und die Togal-Werbung hilft uns hier sicherlich auch nicht weiter. So laßt uns unsere Gedanken vorerst einfach nur um die Musik von MONSTER MAGNET kreisen (es bedarf doch wohl keiner genaueren Definition) und daran denken, daß Joe Calandra (Bass), Ed Mundell (Guitar) und Jon Kleiman (Drums) sicherlich ähnliche Probleme haben. \"Oh baby, I'm lazy, oh baby introduce me to god. Oh baby, I'm lazy, oh baby set a place for the dog\" (\"Negasonic Teenage Warhead\"/\"Dopes To ...\").



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aus Intro #22 (März 1995)
 
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