Miles

klang schöner worte

17.02.1995, 13:37, Text: Autor unbekannt

Das Interview jedoch verläuft wortkarg. Frei nach dem Motto: Wozu viele Worte verlieren, wenn die Musik für sich spricht! So entfalten MILES erst live geballte Energie. In manchen Sequenzen eine Spur zuviel Pathos. Die Melancholie im selbstmitleidigen Gesäusel von Mastermind Tobias übersteigt dann und wann das künstlerische Maß ein wenig, jedoch weiß die Band mit Dynamik hauszuhalten und Songideen spannungsgeladen zu inszenieren. Melodien werden unverkrampft aus dem Arm geschüttelt. Der Plattentitel resultiere mehr aus dem Gefühl für schöne, klangvolle Worte als aus einem tieferen Sinn oder bedeutungsschwangerer Textpsychologie, erläutert die Band ihrer Philosophie entsprechend, Musik solle Spaß machen.
MILES sind die logische Gegenbewegung zu einer immer härter werdenden Rockmusikerjugend im bundesrepublikanischen Deutschland, deren Vorbilder BIOHAZARD oder RAGE AGAINST THE MACHINE heißen und die in etwa soviel Herz in ihre Musik legen wie ein Selbstmörder in die Erhaltung seiner Gesundheit.

Nicht so seicht wie die britischen Popper, nicht so garagig wie die US-amerikanischen Punkrocker, bilden MILES den zeitgemäßen Mittelweg, den Rickenbackergitarren noch ermöglichen. Daß den End-Teens der große Plattendeal nicht wenige Jahre zu früh kommt, bleibt zu hoffen, denn schon so oft stagnierten talentiert-hoffnungsvolle Newcomer zu satten Möchtegernrockstars.



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aus Intro #22 (März 1995)
 
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