Belly

sonnige grüße von den bahamas

09.02.1995, 21:14, Text: Autor unbekannt

Eine feine Platte ist es geworden: Das alte Rezept - zuckersüße Melodien treffen auf nicht minder aparten Mädelgesang und gehen eine gelungene Kopulation ein - hat sich auch diesmal bewährt, selbst wenn ein paar Verfeinerungen vorgenommen wurden. Tanja ist mutiger geworden, und die Band hat Nabelschau betrieben. Die Fragilität früherer Tage ist zugunsten einer neuen Direktheit - \"Straightness\"? - etwas in den Hintergrund getreten. Nicht mal ein leises Husten, so gehört auf \"Star\", ist mehr vergönnt. Auch wenn es alte Fans vielleicht vergrault, BELLY lassen sich wohl nicht mehr davon abhalten, sich in die \"Heavy Rotation\" eines beliebten Fernsehkanals und in die Herzen einiger sonst eher auf Hausmannskost-Rock abonnierter Langweiler zu spielen.

Schade, aber toll.
Doch was trieb die Band so lange? Wähnte man sich bereits als fester Bestandteil der tristen, immer gleichen Show des \"Alternative\"-Rock-Zirkus?? \"Wir haben absolut nicht auf der faulen Haut gelegen! Im Gegenteil: Wir haben unzählige Konzerte gegeben, nachdem 'Star' veröffentlicht war, Videos gedreht etc. Dadurch sind wir mittlerweile zu einer kompakten Einheit geworden, was uns bei den Aufnahmen für 'King' sehr geholfen hat. BELLY ist nicht die Tanja-Donelly-Band!\" erklärt selbige entschieden. Der entschlossene Schritt vom zarten \"Ballettstar\" zum sicher im Sattel sitzenden \"König\" ist getätigt. Tanja scheint sich endlich von ihrer Vergangenheit bei den BREEDERS und vor allem den THROWING MUSES losgelöst zu haben. Vielmehr könnten BELLY als sommerliche, unbeschwertere Variante der MUSES durchgehen, wohingegen Kristin Hersh eher was für die Wintertage ist.
Lag's vielleicht am Aufnahmeort, den sonnigen Bahamas? \"Wir hatten eine gute Zeit mit Glyn, unserem Produzenten. Er ist sehr erfahren (arbeitete u.a. mit den BEATLES!) und ziemlich unbeeinflußt von irgendwelchen Trends. Aber wir hatten auch sehr klare Ideen, so daß er gar nicht so gefordert war.\" Ob diesmal nicht doch eine Menge \"Effekthascherei\" betrieben worden sei (denn immer wieder entdecke ich versteckte Details, deren Benennung - \"Fachblatt\"-Leser steh' mir bei - ich lieber anderen überlasse), will ich wissen. \"Nein, bei uns wird fast alles direkt eingespielt\", entgegnet Tom. Aber klar, die Konzerte klängen oft viel ungehobelter als die Platten.
Das lockere Gespräch, zu dem sich das Interview inzwischen entwickelt hat, endet zu guter Letzt bei Bands'n'Business: Die BREEDERS seien klasse, MADDER ROSE hätten das interessanteste Gitarrenspiel und natürlich wären da noch PORTISHEAD. Die Bands aus ihrer Heimatstadt Newport seien nicht so interessant. Aber falls ich heute Abend Lust auf Kino hätte, dann sollte ich mir \"Pulp Fiction\" ansehen. Travolta sei \"really weird\"! Aber mal ehrlich: Kann sich einer die zierliche Tanja als Tanzpartnerin von Travolta vorstellen???



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aus Intro #22 (März 1995)
 
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