The Busters

oder: von den Vorteilen, in der Provinz zu leben

07.02.1995, 17:24, Text: Autor unbekannt

Was sich wie die kurze Inhaltsangabe zu einem zweitklassigen B-Movie liest, passierte tatsächlich - und zwar einer einschlägig bekannten Ska-Band aus unserem Lande: THE BUSTERS aus Heidelberg. Bereits seit 1987 sind die Herren nun vereint, um sich einer schlichten Tanzmusik zu widmen - dem Ska. Als Melange aus Jazz, R&B und traditioneller jamaikanischer Musik Ende der 50er Jahre entstanden, erlebt diese Musik mit schnöder Regelmäßigkeit zarte Comebacks: Ende der 70er z. B. durch grandiose Bands wie MADNESS oder THE SPECIALS sowie Ende der 80er durch die TROJANS oder auch THE HOT KNIVES.
Mit ihrer Schluckauf-High-Speed-Version des Langweiler-Titels \"Don't Worry, Be Happy\" gelang ihnen 1989 immerhin ein kleiner Achtungserfolg in den Medien.

Fortan sollte die Band - von eben diesen Medien beinahe unbeachtet - in schöner Regelmäßigkeit die Konzertsäle der Republik, aber auch so illustrer Städte wie Paris, Mailand, Amsterdam, Prag oder sogar London füllen. Daß ihr Ruf als hochkarätige Ska-Band sogar den Weg über den großen Teich für mittlerweile zwei ausgiebige US-Tourneen geebnet hat, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Nur gut, daß die Medienpräsenz und das gemeine Kritiker-Ohr scheinbar nichts mit dieser eintönigen Musik anfangen können, denn anders hätte man sich wohl kaum mit dem kleinen \"Weser Label\", das mittlerweile fünf Alben aufzuweisen hat, derart lange halten können. Vielleicht liegt's aber auch schlicht und ergreifend an der Provinzialität, mit der man sich umgibt und die man lebt, daß man nicht der Versuchungen des Ruhmes erlegen ist - oder nie erliegen durfte. Da nimmt der Fan auch die scheinbar hilflosen Versuche, trendy zu klingen, nicht übel, wenn er mal wieder mit der bekannten Einfachheit und Banalität flacher Texte konfrontiert wird und unter dem Motto \"SKA AGAINST RACISM\" das Tanzbein über den Verstand siegt.
Auf der derzeitigen \"Offbeat Overkill\"-Tournee der BUSTERS siegen eben gerade diese Erwartungen ihrer sich scheinbar ständig verjüngenden Fans - \"back to the roots\" heißt die Devise. Na und - wird eben weiter vom großen Geld, tollen Plattenverträgen und massenhaft verfallenen Mädchenherzen geträumt. Vor allem aber wird geniale Tanzmusik jenseits aller Trends und Hypes gespielt.
Wer's nicht glaubt - selbst hingehen und anhören!



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aus Intro #22 (März 1995)
 
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