Dog Eat Dog

köterdämmerung

23.11.1994, 20:40, Text: Autor unbekannt

Womit der Bogen zur Liveshow und vor allem zur Vorband SUCH A SURGE geschlagen wäre. \"Was geht ab in Osnabrück? Seid ihr im Haus?\" Nein, im Hydepark. Macht aber nichts, wer so gepusht wird wie die vier Buben, wer mehr Merchandise im Angebot hat als der Headliner, wer, nur aufgrund eines lukrativen Deals mit einem der größten Majors überhaupt, eine ganze Sendung auf wiewah bekommt, inklusive Vertragsunterzeichnung live, wer ohne reguläres Album - dafür mit den passenden Kontakten - Touren mit MUCKY PUP, BIOHAZARD, GUNSHOT und nun auch DOG EAT DOG zugeschustert bekommt, der muß das nich' unbedingt wissen ... is' ja noch klein. Ganz viele junge Menschen mit Mützen auf den Köpfen waren da und fanden die ganz schön toll.

Ich nicht. Beim Hauptact lief der Hase da schon anders: Party pur auf und vor der Bühne, kein Tough-Guy-Gehabe, das von Jugend und Gutbürgerlichkeit ablenken mußte, statt dessen gute Ansagen, perfekte Show, Sympathie und \"Why Does It Hurt When I Pee?\" von ZAPPA.
Der Schlagzeuger humpelte mir vor der Show entgegen, den Fuß hatte er sich verknackst, beim Spielen behindere ihn das aber nur soweit, daß er manchmal nicht spüren könne, ob das sein Fuß ist, der da gerade die Bassdrum tritt. Man hat es nicht gehört, das Handicap. Respekt ist unsere Aufgabe ...
\"All Boro Kings\", der Titel der ersten vollständigen CD, \"stammt von einem befreundeten Sprayer. Die Abkürzung ABK ist zu seinem Markenzeichen geworden, und es bedeutet eigentlich nichts im Besonderen. Boros sind Bezirke in Großstädten wie Manhattan, Long Island etc. in New York.\" Böse Zungen behaupten ja, DOG EAT DOG hätten so viel Eigenständigkeit und Innovation zu bieten wie ROLAND KAISER (\"... Und Sarajevo Weint\"). Wie reagiert man auf solche Vorwürfe? \"Was sollen wir darauf sagen? Die Musik, die wir spielen, ist zur Zeit hip. Wir sind erfolgreich, man kann da schlecht irgendwelche Pseudoverteidigungen anbringen, von wegen jahrelang Untergrund gewesen und immer schon gemacht. Wer erst mal negativ eingestellt ist, der wird das auch auseinandernehmen. Ich kann höchstens auf unsere erste EP 'Warrant' hinweisen, die ist schon älter, und unser typischer Sound ist trotzdem zu erkennen.\" Einflüsse werden immer gern genommen, um den Sound einer Band zu ergründen. \"Sicher. Und da kann ich sowohl Skatepunk als auch Hiphop, Hardcore und auch Metal nennen. Einflüsse, die tiefer greifen, sind Einflüsse, die die Lebensweise und die Philosophie betreffen. Deshalb covern wir FRANK ZAPPA: Ich bewundere ihn wie keinen zweiten.\" Originalität hin, Innovation her, Partymusik mit viel Spaß hat auch seine Berechtigung. Besonders sympathisch finde ich den Verzicht auf die weitverbreitete Tough-Guy-Imagemache. \"Bei vielen Bands ist das wirklich nichts als der Versuch, dadurch einer gewissen Anspruchshaltung beim vor allem jungen Publikum zu genügen (siehe Vorband - Der Verf.). DOWNSET zum Beispiel ist aber eine Band, deren Authentizität ich nie in Frage stellen würde. Die sind einfach, wie sie sind, da ist nichts gestellt.\"
Zu kämpfen haben DOG EAT DOG auch mit der einen Gitarristenstelle. \"Dan Nastasi hat geheiratet und begleitet uns nicht auf Tour. Wir müssen das akzeptieren, haben aber noch keinen geeigneten Nachfolger gefunden. Vertreten wurde er auf Tour bisher von Ex-CROMAGS- und MUCKY PUP-Leuten. Schreib jetzt bitte nicht, daß wir eine MUCKY PUP-Recycleband sind. Wir haben nichts mit ihnen zu tun, außer daß drei Mitglieder mal da gespielt haben.\" Nein, keine Angst, statt dessen schreibe ich, daß das neue Album ab Januar '95 aufgenommen werden soll und dann wohl im Sommer oder Herbst in den Läden stehen wird. Bis dann...



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aus Intro #20 (Dezember 1994 / Januar 1995)
 
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