Sharon Stoned

massenmord im fachwerkhaus

23.11.1994, 10:40, Text: Autor unbekannt

Zurück zum AJZ. Die drei Burschen beziehen den Backstageraum. Schnell schließt man Freundschaft mit der \"Hauptband\". Nach einem gemeinsamen Bier baut man einen Joint. Es wird gekifft, gelacht, gekifft, getrunken, gekifft. Der Gitarrist des Hauptacts macht schlapp, legt sich schlafen. Für die SPEEDNIGGS fängt jedoch der Spaß erst an. Gegen zehn Uhr wälzen sich die drei orientierungslos gackernd auf dem Fußboden, als Veranstalter Bobo verlegen die Tür öffnet: \"Männer, fertig werden!\" Gesagt - getan. Den Soundcheck hat man sich gespart. Rock'n'Roll geht vor. Bielefeld erlebt ein Feuerwerk an neuen Ideen und dynamischem Zusammspiel. Die Herren Mark Müller, Krite Uhe und Basser Jan Beigel zeigen dem stoneden Hauptact, wo der Hammer hängt.
Wenig später übernachten beide Bands im Rahmen eines Benefizkonzertes in Detmold bei Schlagzeuger Mark Müller, dessen Eltern ihm für die Dauer ihres Urlaubs ihr hübsches Fachwerkhaus überlassen haben.

Wieder herrscht bei allen Beteiligten akutes Gehirnzellensterben vor, was irrationales Verhalten hervorruft. Mark und die beiden Gitarristen gehen in der Küche auf Ameisenjagd. Eine Zuckerspur soll die \"Polizei des Waldes\" anlocken und zu einem klebrigen Fleck Honig leiten, auf dem die Insekten stecken bleiben und grausam verenden sollen. Makabere Visionen des trunkenen Drogenrausches.
Herbst 1992. Die SPEEDNIGGS lösen sich auf. Mark heiratet. Im Fachwerkhaus zieht er seine Tochter groß. Jan Beigel war zur falschen Zeit am falschen Ort und scheidet aus dem aktiven Rock'n'Roll. Krite Uhe tut das, was er am allerbesten kann: Er schreibt Songs, für LOCUST FUDGE, für GREAT TUNA und solche, die der Seele beider Formationen nicht entsprechen. Wer soll die Songs also spielen? Sommer 1994. Krite telefoniert mit Mark, der als Organisationstalent mit unkonventionellen Mitteln nie um eine Antwort verlegen ist. \"Teilweise selbst arrangieren, außerdem befreundete Kollegen heranziehen und eigenwillig aufnehmen\", lautet die zielstrebige Antwort des Kompagnons von einst, der, das Wort noch nicht ausgesprochen, den Hörer schon auf die Gabel schlägt, um mit den Planungen zu beginnen. Dem Manager der Bielefelder HIP YOUNG THINGS schwant einiges: \"Vorsicht! Mark Müller greift wieder zum Telefon.\" In der Tat sind nicht nur lokale Größen wie HYT-Schneider auf dem Waschzettel des Detmolders mit Telefonnummer verzeichnet, auch internationale Rocker wie LOU BARLOW und Mädchenschwarm Evan Dando werden von dem eifrigen Schlagwerker zu nachtschlafender Zeit aus dem Bett geklingelt. Nach wenigen Monaten entsteht durch Studiosessions, durch das Hin- und Hergeschicke von Vierspuraufnahmen und den Experimentierwillen der beteiligten Musiker ein klangliches Gemischtwarenopus, in dem sich jeder Song soundmäßig wie auch vom Arrangement her grundlegend unterscheidet. Einen Namen braucht das Baby auch. Also nennen sich die ehemaligen SPEEDNIGGS - als Reminiszenz an eine von ihnen bevorzugte Frau wie auch an einen Zustand - SHARON STONED. Der Albumtitel verfügt darüber hinaus über programmatische Funktion: \"License To Confuse\".
Schön, daß sie wieder da sind!



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aus Intro #20 (Dezember 1994 / Januar 1995)
 
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