Numb

der zeit voraus

07.11.1994, 18:20, Text: Autor unbekannt

Hierzu zählt z.B. Don Gordons Projekt NUMB. Aus der Synthie-Pop-Band IMAGES IN VOGUE hervorgegangen, die gleichzeitig auch die Startbasis für das \"Nettwerk\"-Label und Bands wie SKINNY PUPPY oder MOEV bildete, arbeitet der Kanadier nun schon seit 1986 mit wechselnden Musikern. In dieser Zeit schuf er die stilistisch sehr unterschiedlichen Alben \"Numb\", \"Christmeister\" und \"Death On The Installment Plan\" sowie das Mini-Album \"Fixate\". Allen gemeinsam war hingegen, unbeeinflußt von Modetrends, von Anfang an die Grundlage, Elektronik mit Gitarren zu kombinieren, etwas, das heutzutage fast schon zum guten Ton gehört und, laut Gordon, eine unvermeidliche Entwicklung war.


Vor einigen Wochen erschien nun das aktuelle Album. Im Gegensatz zu den starken Heavy-Anleihen bei \"Fixate\" oder dem aggressiven \"Death On The Installment Plan\"-Album gibt sich \"Wasted Sky\" melodiöser und weniger komplex, aber dennoch mit einem guten Schuß Härte sowie treibenden Sounds und stellt ein gelungenes Beispiel innovativen Elektro-Crossovers dar. \"Jedes NUMB-Album soll anders als die anderen klingen. 'Death On...' war ganz bewußt so konzipiert, daß es von Anfang an faszinierte. 'Wasted Sky' ist etwas subtiler, es schleicht sich nahezu unbemerkt ins Gehirn ein\", so Gordon über sein jüngstes Werk. \"Auch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Leuten trägt zur Heterogenität der Musik bei, weil neue Leute neue Ideen einbringen und so das musikalische Spektrum erweitern.\"
Nachdem \"Christmeister\" sich mit den unterschiedlichsten Facetten psychopathischen Verhaltens beschäftigte, geht es auf \"Wasted Sky\" um eine Welt, in der Technologie die neue Religion ist. \"Ich mag Technologie, aber man muß immer im Hinterkopf behalten, daß sie nur ein Werkzeug für den Menschen sein sollte und nicht eine Art Ersatzreligion. Bei Virtual Reality z.B. sehe ich die Gefahr, daß die Leute aus völlig falschen Beweggründen darauf abfahren.\"
Im Gegensatz zu anderen nordamerikanischen Bands kann man NUMB in Europa häufig live erleben, gerade erst im November präsentierten sie ihr aktuelles Material. \"Viele Bands haben Angst, ohne ihr ganzes technisches Spielzeug auf Tour zu gehen. Ich weiß, daß ich es mir nicht leisten kann, all die technischen Show-Elemente rüberzubringen, also bringe ich die Musik zu ihren Wurzeln, der Interaktion zwischen Musiker und Publikum, zurück. Das ist Musik in ihrer reinsten und wohl auch erfolgreichsten Form.\" NUMBs Power-Shows brachten denn auch den überzeugenden Beweis, daß Elektro-Crossover auch ohne technischen Schnickschnack auskommen kann.



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aus Intro #20 (Dezember 1994 / Januar 1995)
 
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