The Eternal Afflict

überlebt einen musikalischen börsencrash

02.11.1994, 17:40, Text: Autor unbekannt

Wenigstens einen Denkanstoß geben möchte das Essener Duo THE ETERNAL AFFLICT mit dem neuesten, nunmehr dritten Album \"War\", auf dem sich Sänger und Texter Cyan intensiv mit Krieg und seiner Sinnlosigkeit auseinandersetzt, einer Thematik, die ihm ein persönliches Anliegen war. \"War\" ist kein Konzeptalbum im eigentlichen Sinne, auch wenn es sich in den einzelnen Songs um verschiedene Erscheinungsformen des Krieges dreht; vielmehr greift Cyan gezielt bestimmte Aspekte heraus, um sich mit ihnen auf sehr persönliche Weise auseinanderzusetzen. \"Ich glaube, daß man mit derartigen Texten die Hörer durchaus zum Denken anregen kann. Aber für mich war es im wesentlichen eine persönliche Sache, dieses Thema aufzugreifen.\" Man mag darüber streiten, ob der durchschnittliche Hörer tatsächlich die Mühe auf sich nimmt, sich intensiver mit den Texten auseinanderzusetzen, doch als Adressaten sieht Cyan auch weniger die Leute, die in den Discos zu ihren Songs tanzen, sondern vielmehr die langjährigen Fans der Band, von denen er annimmt, daß sie ein verstärktes Interesse an dem haben, was er in seinen Lyrics zum Ausdruck bringen will.

Um dem Hörer das Verständnis zu erleichtern, wurden auch bei \"War\" die Texte im Booklet abgedruckt. \"Bands, die ihre Lyrics nicht abdrucken - sieht man mal davon ab, daß es aus Kostengründen nicht realisierbar ist -, haben meiner Meinung nach keine Inhalte, haben nichts zu sagen\", ergänzt Markus, Verantwortlicher für die Kompositionen.
Betrachtet man die Entwicklung des seit 1989 bestehenden Duos von den Anfängen unter dem Namen ROMANTIC AFFLICTION, der für experimentelle Elektronik-Sounds stand, über die Namensänderung zu THE ETERNAL AFFLICT, dem Symbol für die Offenheit für eine breite Stilvielfalt, bis hin zu dem neuesten Album, so präsentiert sich \"War\" als seine bislang homogenste Veröffentlichung, was auch Markus bestätigt: \"Es ist das Album, mit dem ich persönlich am zufriedensten bin. Es wirkt abgeschlossener als die Vorgänger, denn bei den anderen Alben hatte man doch - mit etwas Abstand - den Eindruck, daß man manche Stücke hätte besser machen können.\" Bereits im November 1993 wurde die neue Arbeit begonnen und nach etwa acht bis zehn Wochen (für THE ETERNAL AFFLICT eine erstaunlich lange Zeit) im Studio fertiggestellt. Herausgekommen sind 11 Tracks, die trotz stilistischer Vielfalt ein einheitliches Bild ergeben und die sich eingängiger präsentieren als die Vorgänger. Wie ein roter Faden zieht sich der weibliche Gesang durch \"War\", der einen Kontrapunkt zu Cyans aggressiver Stimme setzt und nicht auf simple Backing-Vocals reduziert wird, sondern vielmehr eine eigenständige Rolle innehat. \"Wir haben auf jedem Album mit verschiedenen Sängerinnen gearbeitet, um dadurch unterschiedliche Charaktere in unseren Songs zum Ausdruck zu bringen. Mir persönlich gefällt weiblicher Gesang sehr gut, wenn er einen eigenen Stil hat. Wir versuchen, den Frauenstimmen einen abgedrehten Touch zu geben, damit sie nicht zu kitschig klingen\", erläutert Markus diese Zusammenarbeit.
Gibt es denn irgendwelche Einflüsse, die in die Musik von THE ETERNAL AFFLICT eingehen? \"Die Beeinflussung durch andere Musik ist immer weiter zurückgegangen, jetzt spielen nur noch gewisse Innovationen oder Feelings eine Rolle.\" Angesprochen auf die Live-Umsetzung der \"War\"-Thematik erklärt Markus: \"Es wird keine Video-Show geben, so etwas haben wir nie gemacht. Die Leute auf der Bühne sollten das Show-Element sein. Wenn die Leute einen Film sehen wollen, gehen sie ins Kino. Wenn sie zu einem Konzert kommen, wollen sie Action auf der Bühne sehen. Es wird also eine traditionelle Rockshow geben, mit einem zusätzlichen Keyboarder und einer Sängerin.\"
Die aktuelle Musikszene sieht Markus durchaus kritisch: \"Ich habe das Gefühl, alles schon einmal gehört zu haben. Es gibt so viele Eintagsfliegen, und ich glaube, daß der Markt eine Art Börsencrash erleben wird, das werden nur wenige Bands überleben.\" Mit \"War\" haben THE ETERNAL AFFLICT mit Sicherheit einen weiteren Schritt getan, um zu den Bands zu gehören, die langfristig überleben werden.



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aus Intro #20 (Dezember 1994 / Januar 1995)
 
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