Gorefest

23.06.1994, 12:11, Text: Autor unbekannt

Doch wie gesagt vorläufiger Höhepunkt, denn am 13.06.94 erschien \"Erase\" mit dem bis dato besten GOREFEST-Material. Zwar klingen die neuen Stücke nicht mehr so todesbleiern wie auf den Vorgängern und umschreibt die Band ihre Musik auch nicht mehr mit dem Begriff Death Metal, sondern \"nennt\" ihren Stil \"Extreme Metal\", doch lieben die Fans ihre Sachen nach wie vor, wie eine Kostprobe jener neuen Lieder auf dem Dynamo-Zeltplatz zeigte.
Daß man es mit keiner 0-8-15-Death Metal-Band zu tun hat, belegen auch die intelligent geschriebenen Texte. \"Ich schreibe alle Lyrics, sie sind ein wichtiger Bestandteil für mich,\" erklärt Sänger und Bassist Jan-Chris, \"darum habe ich auch versucht, meinen Gesangsstil dahingehend zu verändern, daß man mehr versteht.

Ich mag es, über persönliche Dinge zu schreiben und Sachen, die ich verachte, als da wären Krieg und Faschismus/Rassismus. Viele Songs der 'Erase'-, aber auch der 'False'-Scheibe handeln davon. Früher hatten wir nur fiktive Texte, irgendwelche Gore-Geschichten, die ich mir ausgedacht habe.\"
Beschäftigt man sich eingehender mit den neuen Stücken, so fällt auf, daß die Gruppe stark von Bands jenseits des Death Metals beeinflußt wird. \"Die Musik stammt hauptsächlich von unseren Gitarristen, Boudewijn zum Beispiel ist auf einem massiven 70er-Trip. Seine Lieblingsbands sind LED ZEPPELIN, THIN LIZZY, frühe VAN HALEN, frühe TROUBLE und noch 100 andere, die ich nicht kenne.\", erzählt mir der sympathische Frontmann und schweift zur neuen Platte hinüber. \"Nach 'False' verspürten wie einen großen Druck, denn der Erfolg mit 50.000 Copys war so groß, daß wir nicht wußten, wie wir einen besseren Nachfolger hinlegen sollten. Deshalb sagten wir uns, daß es nicht wichtig ist, ein straightes Death Metal-Album zu produzieren. Die musikalische Richtung sollte nicht wichtig sein, sondern nur ein gutes Feeling und ein guter Groove.\"
Zur Zeit wenden sich immer mehr ehemals diese Schiene fahrende Bands vom Death Metal ab. Zwar setzen sich auch die Holländer nicht mehr den Death Metal-Hut auf, doch weicht ihre heutige Musik nicht so stark vom einstmals Gespielten ab, wie es z.B. bei den Weicheier von P.L. der Fall ist. Deshalb auch die Frage nach Veränderungen, besonders gesanglichen Veränderungen. Denn jede Änderung, die ein Death Metal-Sänger hin zu gut verständlichem Gesang vornimmt, wirkt für den Fan wie ein kräftiger Tritt zwischen die Beine. Doch Jan winkt sofort ab: \"Nein. Ich bin kein guter Sänger. Selbst wenn ich meine Vocals ändern wollte, ich könnte es nicht. Dies ist der aggressivste Stil, aggressiver als auf der zweiten Scheibe. Ich sehe keinen Grund, dies zu ändern, denn dies ist GOREFEST. GOREFEST '94.\"



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aus Intro #16 (August 1994)
 
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