Tool
... is the rule!
22.06.1994, 13:07, Text: Autor unbekannt
Fangen wir aber dort an, wo sich auch für TOOL die Räder in Bewegung setzten, im Jahre 1990 nämlich. Adam Jones, von dem Buch und den Ideen eines gewissen Ronald P. Vincent beseelt, überredete Maynard nach monatelangem Generve dazu, mit ihm ein Bandprojekt zu starten. Es dauerte gar nicht lange, bis sie in Danny Carey, der schon bei GREEN JELLY und PIG MY LOVE CIRCUS trommelte, und Paul D'Amor (Bass) zwei passende Mitstreiter fanden. Nach nur 6 Monaten hatte man einen Vertrag in der Tasche und ohne die sonst übliche \"pay to play\"- Variante gingen sie - mit der Debüt-EP \"Opiate\" im Gepäck - mit Größen wie ROLLINS oder den PORNO FOR PYROS auf Tour. Perry Farell (JANES ADDICTION & PORNO FOR PYROS) war es dann auch, der TOOL nach dem Release von \"Undertow\" mit auf die von ihm initiierte \"Lollapalooza\"-Tour einlud.
Bei uns präsentierten sich TOOL erstmals als Support der letztjährigen RAGE AGAINST THE MACHINE-Tour, wobei sie auch hier sofort zu begeistern wußten. TOOL-live ist ein Bad für die Sinne. Während viele Bands durch aufwendige Bühnenaufbauten brillieren, zählt bei dem Quartett aus Scottville, Michigan, nur der Akteur und wie er sein Instrument behandelt. Zu den punktgenauen Grooves seiner Mitstreiter entwickelt der schmächtig-kleine Maynard seine skurril anmutende, fast beängstigende Live-Performance. Der Zuschauer wähnt den TOOL-Frontmann bei seinen Aktionen im Vollrausch irgendwelcher Halluzinogene oder Hanfprodukte, dieser jedoch bekundet, daß lediglich die Musik seine Droge sei: \"Warum sollten wir unser Publikum mit irgendwelchen maschinellen Showgags und aufwendigen Inszenierungen blenden, wenn doch die Musik alles ist, was für uns sprechen kann.\" Fürwahr, die Musik spricht eine deutliche Sprache, nämlich die der Andersartigkeit. Neben sämtlichen Kritikern tut sich selbst die Band schwer, das zu beschreiben, womit sie ihr Geld verdienen. Wer aber braucht auch schon ständige Querverweise, wenn man der Originalität seinen eigenen Stempel aufdrücken kann.
Maynard interessieren Vergleiche mit anderen Bands jedenfalls überhaupt nicht: \"Weißt du, wir machen einfach etwas, was uns Spaß macht, dafür muß es keine Schublade geben. Ich bin froh, daß ich von dem damit verdienten Geld meine Miete bezahlen kann. Ich wohne hier in einem Viertel mit netten abgefahrenen Leuten und kann einkaufen gehen, ohne dabei auf meine Band angesprochen zu werden. Es ist einfach nett hier, und ich finde, man sollte die ganze Sache auch nicht überbewerten.\"
Um die \"Sache\" bewerten zu können, muß man wohl nicht unbedingt Musikkritiker sein. Jeder einzelne hat seinen spezifischen Blickwinkel, aus dem er die Dinge beurteilt, und ich empfinde die Art, wie man sich im TOOL-Lager selbst sieht und darstellt, als sehr sympathisch.
Die Frage nach seinen Texten beantwortet Maynard schon, ohne daß ich überhaupt dazu komme, sie zu stellen: \"Mit den Texten verhält es sich wie mit unseren Shows. Die Leute sollen sich ihre eigenen Gedanken machen und in ihrem Unterbewußtsein nach Interpretationen suchen. So entstehen eine Vielzahl neuer Gedankengänge und Auslegungsarten meiner Worte. Ich selbst kann und werde nicht versuchen, meine Texte zu erklären.\"
Die Bandchemie scheint zu stimmen, wie ließe es sich sonst erklären, daß die Band selbst die Planung für ihre kommende Europatour in die Hand genommen hat. Nicht ohne Stolz liest Maynard mir die Tourdaten vor, die er soeben seinem Computer entlockt hat. \"In Deutschland werden wir leider nur fünf Konzerte geben. Die ganze Tour kostet uns 60 000 Dollar, das ist eine ganze Stange Geld.\"
Ich für meinen Teil freue mich darauf, wenigstens einem der fünf Konzerte beiwohnen zu dürfen und kann die intensiven Shows jedem nur wärmstens empfehlen. Laut Maynard wird es dann auch neue Stücke zu hören geben, an denen die Band momentan arbeitet. Neuerliche Studioaktivitäten sind zum Jahresende zu erwarten.
Zum Abschluß möchte ich noch die Worte von Ex-HOSEN-Drummer Trini Trimpop aufgreifen, die er in seiner Keynote-Sendung (SAT1/RTL -Kanal 4) über TOOL sagte: \"TOOL, die letzte Hoffnung des Rock'n'Roll!\" In diesem Sinne ... ran an die Werkzeuge!
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