Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs

kinderurin und terminator II

20.06.1994, 18:59, Text: Autor unbekannt

\"Früher haben wir Stücke gemacht, bei denen erst ziemlich am Schluß der Gesang dazukam, für den wir dann auch wieder Platz gemacht haben. Das war diesmal eben nicht so.\", beschreibt Thorsten, Gitarrist der auf Quartettgröße geschrumpften Hamburger, den Unterschied zur bisherigen Arbeitsweise. So unglaublich viel, wie die zwiegespaltenen Reaktionen vermuten ließen, hat sich also gar nicht geändert beim neuen OZSWMK-Longplayer. Die Herangehensweise an die Stücke ist die gleiche, doch fehlt etwas Entscheidendes: der Gesang. Wirklich entscheidend? Thorsten jedenfalls läßt keinen Zweifel daran, daß die momentane Situation zumindest für Teile des Publikums einen Bruch darstellt: \"Leider werden wir immer noch als die lustige Band mit Gesang abgestempelt.

Wir sind zwar keine Stars, haben aber doch eine kleine, teilweise begeisterte Fangemeinde. Und je begeisterter die ist, desto klarer sind auch ihre Vorstellungen von dem, was wir machen und wie das zu sein hat und daß sich nichts zu ändern hat.
Auf den Konzerten fehlt den Leuten die persönliche Einbindung durch den Gesang, die wir durch kleine Geschichten und Kommentare anderweitig zu überbrücken versuchen, damit sie sich auf die Musik einlassen, und diese dann auch wieder für sich stehen kann.\" Für die Band stellt die Situation eher einen neuen Weg in bekannten Gefilden dar: \"Wir haben bei den Proben rumgedaddelt, bis unser zweiter Gitarrist Tilman wegen seines Studiums vorübergehend ausgestiegen ist. Das war ein Punkt, an dem wir dachten: 'Oha, entweder wir bekommen jetzt auch für uns was gebacken oder eben nicht. Was nun?' Völlig unabhängig von Tilman kamen wir dann zu dem Schluß, daß die instrumentalen Rohfassungen auch so schon sehr klar waren - ein klasse Gerüst und zu versuchen, das ohne Gesang zu Ende zu bringen.\" Eine neue Herausforderung, aus der sich für Hörer und Musiker gleichermaßen neue Möglichkeiten ergeben (daß dies in unserer Konsumgesellschaft, wo alles mund- und denkfertig frei Haus geliefert werden muß, manch einen überfordern könnte und den Vorwurf der Sprachlosigkeit nach sich zieht, ist mehr als traurig, aber bezeichnend. Anm. d. Verf.): Durch den generellen Kontrastreichtum, was Dynamik und das SUPPENWÜRFELtypische Verschieben von Schwerpunkten innerhalb eines Stücks von einem Instrument zum nächsten angeht, liegt auch die Frage nach Filmmusik nahe. \"Eigentlich messe ich dem keine so große Bedeutung bei, aber ein solches Projekt ist in Planung. Im Garten unserer Lieblingskneipe soll ein neu zu vertonender Film gezeigt werden. Zuerst dachte ich, naja, das hat es ja schon oft gegeben, aber als mir der Wirt dann sagte, daß es sich um Terminator II handelt, fand ich das doch ziemlich klasse...\"
Insgesamt sieht man also doch eher Perspektiven für \"normale\" Konzerte und \"normale\" Platten, mit der Maxime \"weniger ist mehr\": \"Gerade die Musik, die Dinge wegläßt und im Grunde als Gerüst stehenbleibt, schafft eine relativ freie Atmosphäre, in der man sich auch als Hörer noch bewegen kann...\" - und sich zumindest in eine vertonte Welt selbst hineinbeamen kann, die, kombiniert mit eigenen visuellen Eindrücken, auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwei Pfützen hinterläßt. Wer nicht hören kann, muß sehen!



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aus Intro #16 (August 1994)
 
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