Lush
wollen neue Freunde finden
19.06.1994, 12:47, Text: Autor unbekannt
LUSH sind also wieder da. \"Split\" heißt das neue Werk. Hat ja auch lange genug gedauert, immerhin zweieinhalb Jahre sind ins Land gezogen seit \"Spooky\". Zweieinhalb Jahre, in denen Miki Berenyi, Emma Anderson, Chris Acland und Philip King aber keineswegs faul rumsaßen, sondern zunächst mal spielten, spielten und nochmal spielten. Waren die weltentrückten Klänge von \"Spooky\" doch gerade in England, wo das Album Platz Sieben der Charts erreichte, sehr erfolgreich. \"Es war eine wirklich lange Tour, mit allein 30 Dates in England\", erinnert sich Sängerin Miki. Aber auch in Amerika, Japan und Australien waren die vier Engländer unterwegs. \"Es klingt vielleicht abgegriffen, aber wir sind tatsächlich eine richtige Live-Band geworden.
Das knappe Jahr auf der Bühne hört man dem Album an. Bewegte sich der Vorgänger eher in der endlosen Weite des Sound-Universums, so sind LUSH mit \"Split\" wieder auf den Boden der Klangwelt zurückgekehrt. Ihre Lieder sind zupackender und gitarrenbetonter geworden, was nicht zuletzt der Verdienst des CURE-Produzenten Mike Hedges sein dürfte. \"Wir wollten die Live-Atmosphäre auf das neue Album herüberretten. Viele Leute sagten uns nämlich, daß sie uns live lieber mögen als auf 'Spooky'.\"
Nachdem die Band bereits drei Monate auf der Suche nach einem Produzenten war, ergab sich schließlich die Zusammenarbeit mit dem Mann, der sich als Produzent von THE BEAUTIFUL SOUTH oder MARC ALMOND einen guten Namen gemacht hat. \"Mike war wirklich enthusiastisch, als er unsere Demos hörte\", sagt Chris, \"ich meine, so einer wartet ja nicht unbedingt auf LUSH.\" So fruchtbar die Arbeit mit Hedges auch gewesen sein mag, mit dem Mix der Platte war die Band ganz und gar nicht zufrieden. \"Niemand wollte es ihm sagen\", erinnert sich Miki Berenye. \"Wir mochten Mike, aber es war einfach nichts.\" Also schloß man sich für weitere sechs Wochen im Studio in Wales ein und mixte alles nochmal richtig durch. \"Es war ziemlich einsam und langweilig. Wir sind fett geworden und haben zuviel getrunken.\"
Das Schreiben der Songs ist Frauensache bei LUSH. Daran hat sich nichts geändert, seit die beiden Highschool-Freundinnen die Band vor sechs Jahren gründeten. Doch zusammen schreiben sie praktisch nie. Schlagzeuger Chris weiß warum: \"Emmas Songs sind musikalisch und textlich abgedrehter als die von Miki. Ich weiß fast nie, worum es darin geht. Das behält sie für sich. Miki schreibt melodiebetonter, mehr geradeaus, rock'n'roll-mäßiger.\" Und manchmal halt ein bißchen so wie DURAN DURAN.
Schwer positiv beeindruckt waren LUSH von ihren Erfahrungen bei der 1992er \"Lollapalooza\"-Tour. Als relativ unbekannte englische Band teilte man sich die Bühne mit Megastars wie PEARL JAM, den RED HOT CHILLI PEPPERS oder SOUNDGARDEN. Aber die Nervosität der ersten Gigs war schnell passé. Miki: \"Niemand hat uns spüren lassen, daß wir nicht so berühmt sind. Am Ende spielten die Leute von PEARL JAM und MINISTRY bei uns und wir bei denen. Es war eine große Tour mit vielen Freunden, die du gerade gefunden hast.\" Neue Freunde werden LUSH auch ganz bestimmt finden, wenn sie voraussichtlich im September durch die heimischen Clubs touren.
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