Combustible Edison

cocktails and millionaires

13.06.1994, 10:29, Text: Autor unbekannt

Während mein Gegenüber, der sich als Prä-&-Post-Grunge-Erscheinung - komplett Extra-Grunge - begreift, bereits an der Bar lehnte, führte er seine Hauptbeweggründe an, Musik zu machen: \"Trinken, Tanzen, Essen und Lieben sind die wichtigsten Dinge, die man zu unserer Musik verrichten kann. Ich würde mir spaßliebende Bonvivants unter einem cognacfarbenen Himmel wünschen, die zu unserer Musik picheln und swingen.\" Überhaupt ist der Drinking'n'Swinging-Lebensstil very ausschlaggebend für Michael. Mit Horror mußte er immer wieder feststellen, daß er besser mixt als die meisten Barkeeper, die er auf seinen Reisen kennenlernte: \"Ich bin wirklich enttäuscht über den traurigen Stand der Drink-Mix-Kunst.

Zur Zeit der Jahrhundertwende war der Barkeeper nämlich so was wie der Hohepriester in den heiligen Hallen der Entspannung, verantwortlich für jede Menge esoterischen Wissens. Er mußte Hunderte von delikaten Drink-Kombinationen kennen. Er war absoluter Fachmann, ein Alkochemist sozusagen. Heutzutage ist ein Barkeeper sozial nur einen Schritt vom Tellerwäscher oder Rausschmeißer entfernt.\" Aber auch dem prolligeren Gerstensaft unserer Heimat kann der geübte Shaker-Derwisch etwas Positives abgewinnen. Vielleicht ja auch deshalb, weil es in Amerika nicht gerade einfach ist, ein gut gezapftes Bier zu bekommen. Für ihn auf der anderen Seite auch ganz gut, weil es zuviele Kalorien enthält und er meint, langsam auf sein Gewicht achten zu müssen. Abschließend schnell noch ein paar Worte zur Bandgeschichte, da wir ja schließlich ein Musikmagazin sind. Alle Mitstreiter des durchgeknallten Fünfers kannten sich schon von der Bostoner College-Rockband CHRISTMAS. Danach spielten sie sich als 16köpfiges COMBUSTIBLE EDISON HELIOTROPIC ORIENTAL MAMBO AND FOXTROT ORCHESTRA die Finger wund, während sich die Fans auf dem Parkett die Füße platt tanzten. Vor drei Jahren auf die nunmehrige Quintettgröße geschrumpft, stellt der Sub-Pop-Deal die Spitze einer Verknüpfung glücklicher Umstände dar, mit der keiner gerechnet hatte. Oder, wie Mr. Cudahy es ausdrückt, \"Uns war die Idee einer Musikerkarriere eher fremd. Ich wollte viel lieber im hinteren Teil eines heruntergekommenen Foyers spielen, freie Drinks bekommen und meine Ruhe haben. Oder auf einer Kreuzfahrt per Luftschiff auftreten. Dann sehe ich uns auf Transatlantik-Vergnügungsflügen mit dem Glas in der Hand zum Tanz aufspielen.\"
Also Zielgruppe, geht in die Plattenläden und holt euch den coolen, extravaganten Cocktailism-Soundtrack für die Rhythmisierung eurer Lieblingsbeschäftigung. Shake it baby, shake it!



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aus Intro #16 (August 1994)
 
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