The Walkabouts
machen sich die hände schmutzig
08.06.1994, 20:20, Text: Autor unbekannt
Schließlich sei man schon immer für den Auf- und Abbau der Anlage verantwortlich gewesen, warum also viel Geld für Roadies ausgeben, wenn man es erfahrungsgemäß auch selber kann, lautet die einhellige Meinung der sechsköpfigen Truppe aus Seattle. \"Nach zwei Monaten Europatour werden wir die letzten beiden Wochen auch noch durchstehen. Wir sind schließlich ganz normale Menschen, auf Luxus dieser Art können wir problemlos verzichten\", bringt Chris Eckman, Mastermind der Band und Ehemann von Carla Torgerson, die Umgangsweise der WALKABOUTS mit dem Thema Erfolg auf den Punkt. Gegenüber den Spleens vieler anderer Rockbands heißt es bei der sympathischen Combo in puncto Starallüren Fehlanzeige.
Auf der Bühne stellen die WALKABOUTS klar, daß sie ein besonderes Kaliber besitzen. Sie haben den Willen, dem Publikum etwas für sein Geld zu bieten: jeden Abend eine dreistündige Show mit den wichtigsten Songs aus dem umfangreichen Werk von bislang sechs Longplayern und unzähligen Maxis. Chris Eckman: \"Klar könnten wir das neue Album spielen und nach einer Stunde aufhören, aber warum? Musik ist unser Job und der macht uns höllisch Spaß.\" Das erste Set besteht in vorrangig aus den ruhigen, balladesken Countrysongs, nach einer kurzen Pause zeigt die Band dann, wo der Hammer hängt und schergelt - ganz im Sinne von NEIL YOUNG - ihre solibeladenen Rocksongs des Hitalbums \"New West Motel\" und der neuen Scheibe \"Setting The Woods On Fire\". \"Ich hatte nach dem zweiten Set zuletzt einige Beschwerden mit dem Halswirbel,\" stöhnt Schlagzeugerin Terri Moeller, \"ich bin die einzige, der die Tour ein wenig zu schaffen macht.\"
Ansonsten scheint sich die Truppe in Europa pudelwohl zu fühlen. Erstmals bereisten sie diesmal auch Griechenland sowie die Slowakei, und in den anderen Ländern verbesserten sich die Zuschauerzahlen erheblich im Gegensatz zur letzten Tour. Die Winde stehen also günstig für die WALKABOUTS. Da wundert es schon ein wenig, daß Chris und Carla nicht wissen, ob es die Band nach dieser Tour überhaupt noch geben wird. \"Es gibt noch so viele Instrumente, so unermeßlich viele Möglichkeiten, Musik zu machen, so daß wir alles einmal ausprobieren möchten. Da ist es manchmal besser aufzuhören, wenn es am schönsten ist\", erläutert Carla die Position des kreativen Ehepaars. Vielleicht spielt dabei auch der Erfolg ihres Soloalbums CHRIS&CARLA \"Shelter For An Evening\" eine Rolle. Das letzte Wort ist in dieser Sache aber längst noch nicht gesprochen. Chris Eckman: \"Wir wissen nicht, was wir tun werden. Zuhause muß ich erst einmal in den Swimming-pool, dann sehe ich die Entscheidung in den Basketball-play-offs. Dann schaun 'mer mal.\"
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