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9to5 - wir nennen es arbeit

  • User: schons
  • schons

    Dabei seit: 01.03.2004

  • 25.08.2007 | 18:55:42
    war da jemand, außer den blogisten, und kann berichten wie es war? da mir das zu teuer war, bin ich nur in den genuss der miesesten podiumsdiskussion ever gekommen, ab 19h ist nämlich nur für die mit bändchen. das thema war "linker neoliberalismus" und bestach nicht nur durch eine unfassbare unklarheit der begriffe (links ist die spd, die linke partei - wegen dem namen, aber links sind vor allem "wir"), sondern vor allem durch das podium: holm friebe war schwer verkatert, hat aber klarmachen können, dass er studiert ist und massig bücher gelesen hat (zumindest konnte er gefühlte 40 titel und den groben inhalt nennen). mercedes bunz wollte einen stärkeren, aber irgendwie auch schwächeren staat und besseres design für ihre reformistischen schwärmereien, die irgendwie links und solidarisch sind. der ex-linke typ vom manager magazin hat irgendwann gar nichts mehr gesagt was angesichts der wortmeldungen aus dem publikum (irgendwelche attac-hanseln, die irgendwas von finanzflüssen faselten) und dem vollkommen unstrukturieren assoziationsunsinn auf dem podium nur logisch war.
    da merkt man mal wieder, dass diese popkulturkunstpolitik-blase irgendwie nichts richtig kann, außer selbstreferentiellem befindlichkeitsdarstellungen formulieren: selbst ein 17-jähriger identitätsantideutscher oberstufenblogger hätte diesen unsinn ("das kapital ist auch irgendwie zum produkt geworden") bei 3 promille und 3 jubiläumshofmännern auseinandergenommen. mir war ja klar, dass ich die meinungen der beteiligten tendenziell eher nicht teile, aber dass da so ein käse bei rauskommt überraschte und amüsierte mich dann doch. fazit: links ist eine tolle identitäre position und neoliberalismus halt irgendwie da und der staat könnte den ja besser machen, irgendwie!

  • Chimpie
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  • 25.08.2007 | 19:44:16
    Man sollte sich von solchen Veranstaltungen / Menschen fernhalten und lieber sein Leben genießen. Gut über solche Hansel amüsieren geht, das wars aber auch schon.

  • getupkid

  • 25.08.2007 | 19:49:14
    naja, interessiert hätte es mich schon. "wir nennen es arbeit" von friebe / lobo war ja ein durchaus ordentliches buch.

  • User: schons
  • schons

    Dabei seit: 01.03.2004

  • 25.08.2007 | 19:59:51
    es hat ja tendenziell auch potential interessant zu sein, aber wenn kein begriff von neoliberalismus vorhanden ist, sondern nur die gefühlige ahnung, dass mit dem kapitalismus etwas nicht stimmt, staatskritik respektive deren übung nicht mal ansatz gedacht, sondern im gegenteil staatsaffirmation betrieben wird, dann ist das halt fürn arsch und bringt null erkenntnisgewinn. und therorie lesen und theorie verstehen bzw. richtig zu kontextualisieren, sind auch wieder zwei paar schuhe.
    immerhin war rainer langhans im publikum; mit dem hätte ich gerne ein foto gemacht, meine eltern hätten sich gefreut..

  • Chimpie
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  • 25.08.2007 | 20:02:55
    neoliberalismus, kapitalismus, staatskritik, respektive, staatsaffirmation, kontextualisieren..

  • neutral

  • 25.08.2007 | 20:04:15
    Ging das so in die Richtung wie es Broder auch in einem seiner letzten Spiegel Artikel formuliert hat? Ungefähr im Duktus: Auch "Linke" sollten die Forderung nach Leistung nicht länger als reaktionär betrachten.

  • User: schons
  • schons

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  • 25.08.2007 | 20:25:43
    das war halt eher richtungslos. "links" soll gestalten war eher der tenor. einerseits wurde die kategorie arbeit halbherzig kritisiert, andererseits wurde aber nicht mal ansatzweise das thematisiert was diese kategorie bedingt respektive durch was diese bedingt wird. überhaupt war das niveau wie mit begriffen gearbeitet wurde bei diesem "workshop" wirklich mies. schwammig, unklar. mit so was lässt sich halt eher schlecht worken, ey.
    unkultur schreibt ganz richtig: Das Verhältnis aus Sozialstaat, Markt und Bürger/Arbeitskraft soll neu bestimmt werden. Öffentliche Räume sollte es weiterhin geben. Flache Konzernkritik und ein Schuß antiamerikanisches Ressentiment durften da natürlich nicht fehlen. Der Moderator ließ sich über Shopping-Malls aus, die von anonymen Konzernen gestaltet würden und wie toll es in Berlin sei im Vergleich zu den USA wurde auch geäußert.

  • Chimpie
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  • 25.08.2007 | 20:29:52
    oh weh..

  • User: ms_bumblebee
  • ms_bumblebee
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  • 26.08.2007 | 16:51:23
    mir gehen diese digitale bohéme-trottel, wie sie ihre latte-getränkte selbstausbeutung als reich der freiheit abfeiern, ja sowas von aufn sack.

  • User: schons
  • schons

    Dabei seit: 01.03.2004

  • 27.08.2007 | 09:22:39
    das ist scheinbar das neue hobby von mercedes bunz; krude wortschneuschöpfungen. digitale bohème, urbane penner und eben linker neoliberalismus. nach sowas lechzt das volk und mit glück springt eine talkshow-einladung raus. sinn muss es nicht machen, hauptsache es läßt sich irgendwie auf irgendwas anwenden.

  • Mehrteurer

  • 27.08.2007 | 09:22:58
    wenn man sich dann latte überhaupt leisten kann, aber Hauptsache auf der Gästeliste :-D

  • Chimpie
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  • 27.08.2007 | 09:39:07
    mir gehen diese digitale bohéme-trottel, wie sie ihre latte-getränkte selbstausbeutung als reich der freiheit abfeiern, ja sowas von aufn sack.

    Herrlich!

    wenn man sich dann latte überhaupt leisten kann, aber Hauptsache auf der Gästeliste :-D

    Köstlich!

    das ist scheinbar das neue hobby von mercedes bunz; krude wortschneuschöpfungen. digitale bohème, urbane penner und eben linker neoliberalismus. nach sowas lechzt das volk und mit glück springt eine talkshow-einladung raus. sinn muss es nicht machen, hauptsache es läßt sich irgendwie auf irgendwas anwenden.

    Erbärmlich..

  • schunkel

  • 27.08.2007 | 11:08:05
    Promo um die eigenen Bücher, Blogs, Agenturen, Medienfiguren und Neologismen weiter in die Feuilletons zu drücken. Ich gehe gerne in den Zoo. 16:51:23

  • Mehrteurer

  • 27.08.2007 | 11:25:10
    übrigens wurde der Begriff Prekariat ursprünglich auf die Gruppe von Leuten angewandt, die mittlerweile "urbane Penner" oder "digitale Bohème" als neue Modewörter für sich eingenommen haben.

  • User: ms_bumblebee
  • ms_bumblebee
    shredds, grates, grinds, slice

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  • 27.08.2007 | 11:35:59
    naja, nicht nur die, oder? da fallen auch noch prekär beschäftigte (zeitarbeit, häufig call-center, scheinselbständigkeit etc.), praktikanten und haufenweise mehr leute drunter.
    weshalb das auch ne begriffliche mogelpackung ist, denn außer wenig geld und wenig sozialer absicherung haben diese ganzen personengruppen ziemlich wenig miteinander gemein. die digitale bohème-leute sind da nur die spitze des eisberges, die noch aus der ganzen misere kulturelles kapital zu schlagen versucht.

  • Mehrteurer

  • 27.08.2007 | 11:40:28
    ja es ging ja um Leute mit akademischer Bildung, die trotzdem in relativ ausweglose Armut geraten.

    Ich kenn mittlerweile erstaunlich viele Leute, die am Monatsende hungern müssen.

  • User: ms_bumblebee
  • ms_bumblebee
    shredds, grates, grinds, slice

    Postings: 4,659
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  • 27.08.2007 | 11:51:58
    gerade das mit der akademischen bildung haut eben nicht hin, würde ich sagen. die ist bloß wohl bei den prekären, die das im feuilleton als next big thing inszenieren vorhanden.
    also sozusagen, das kulturelle kapital, das die leute davon abhält, mögliche gemeinsamkeiten mit den leuten zu erkennen, die die büros putzen, in denen sie hin und wieder arbeiten. ergibt sich aus der durch keine empirische grundlage gedeckten hoffnung, mit uniabschluss habe man das ticket zum wohlstand gegeben, weil das seit dem zweiten weltkrieg hierzulande bis vor wenigen jahren ja auch tatsächlich der fall war.

  • User: schons
  • schons

    Dabei seit: 01.03.2004

  • 27.08.2007 | 13:29:07
    das hauptproblem ist gar nicht mal, dass da ein vermeintlich "prekärer" zustand glorifiziert wird, sondern, dass das einfach inhaltslicher bullshit ist. so wie new rave keine subkultur, musikrichtung oder ein lifestyle ist, genausowenig ist diese thematisierung der eigenen befindlichkeiten durch stadt-affine akdemiker in den dreissigern, ein therorieansatz, noch eine erklärungsmodell und erst recht keine erkenntnisbringende handlungsanweisung.
    wer das ganze nicht begreift, theorie liest, damit er sagen, er habe theorie gelesen, also die wissens-akkumulation als identitäten selbstzweck und selbstverständnis mit bauchlinker gefühligkeit paart, hat einfach gar nichts begriffen. da wird von der digitalen klasse schwadroniert, aber der begriff der klasse ist nichts als eine plakative hülle. hört sich knackig, irgendwie links an und in der paarung entsteht irgendetwas neues, irgendwie modern beschreibendes was sogleich dankbar aufgegriffen wird.

  • Chimpie
    "DA!"

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    Dabei seit: 21.11.2001

  • 27.08.2007 | 13:38:03
    11:51:58 war genau auf den Punkt! THX.


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