Ein Titel, so sperrig lang und so selbstverständlich zugleich - und gerade in dieser Kombination so schön. Ein so wahrer Satz, der in seiner Wahrhaftigkeit wohl nur im Kontext von Jens Friebes Texten funktionieren kann. Aber das ist ja seine große Stärke: Lieder voller Kitsch, ohne Kitsch zu sein. Auf \\"Deine Augen leuchten wie der Mond am Firmament\\" folgt \\"In dieser dunklen Halle mit der grauenhaften Band\\". Wahrscheinlich ist Jens Friebe der letzte Musiker auf diesem Planeten, der die Kunst des Liebesliedes beherrscht; vor allem dann, wenn sein lyrisches Ich das verführende \\"Du\\" und \\"Wir\\" benutzt.
Jens Friebe verbindet das ganz Große mit dem Alltäglichen, wenn er singt: \\"Siehst du diesen Haufen Asche, das war einmal unser Glück / Und du brachtest mir die Tasche, mit den Sachen drin zurück.\\" Oftmals möchte man weinen und lachen zugleich; ob Happy End oder nicht, ist eigentlich egal. Ebenso gibt es wieder die hingebungsvolle Unterwerfung, die man bereits vom \\"Lawinenhund\\" kennt, zum Beispiel, wenn Friebe in \\"Frau Baron\\" über das Recht der ersten Nacht singt, das er gendermäßig umdreht: Nicht der Herr Baron darf die erste Nacht mit einer Leibeigenen statt mit seiner Braut, der zukünftigen Baronin, verbringen, sondern die Frau Baron mit ihrem Leibeigenen statt mit ihrem Bräutigam. Und sonst? Musikalisch ist sein neues Album deutlich homogener als die beiden Vorgänger - und so stört es kaum, dass ein Überhit wie der \\"Lawinenhund\\" fehlt. Im Gegenteil: Das Album wirkt, wahrscheinlich dank der Produktion Berend Intelmanns (Ex-Paula), mehr denn je wie eine Einheit und ist dabei phasenweise so tanzbar und detailverliebt wie noch nie. Und das nicht nur wegen meines heimlichen Lieblingsliedes \\"Nothing Matters When We're Dancing\\", das bei jedem Menschen mit Herz jegliche Hemmungen fallen lässt. Ob Glam Rock, Synthie Pop oder Dandytum: Das hier ist große Popmusik. Nicht nur gut gemeint, auch gut gelungen. Zeigt her eure Gesichter. Diese Platte wird so richtig erfreuen. Ganz sicher.
29.09.2007 | 03:07:09 Friebe geil aber warum diesen "BandKontext" - live waren die "DATabgespielten" die tollsten und auf Platte fehlen die jetzt, irgendwie. Schade.