Tocotronic in der FAZ
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wiedumir
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07.12.2001 | 18:37:46
artikel aus der sz:
Sinn, lass’ nach
Die FAZ zitiert in Titeln pausenlos die Texte einer Rockband
Viele alte Tanten haben liebenswerte Macken, und die FAZ, die große alte Tante unter den Tageszeitungen, hat natürlich ein paar mehr. Man muss nur einmal einen Blick auf die Stil-Seite werfen, die wie jeden Mittwoch so auch gestern erschien. Dort findet sich die inhaltsreiche Überschrift: „Du siehst ja selber: Hier verändert sich nichts groß“ oberhalb einer Restaurantkritik über Johannes Raus Lieblingskoch.
So geht das nun schon seit vielen Ausgaben. Ein Text übers Absinth- Trinken ist überschrieben mit „Gott sei Dank haben wir beide uns gehabt“ und der Unterzeile „Um Himmels willen zu mir“, auf eine Käse-Messe wird der Leser mit den hintersinnigen Worten „Wir kommen, um uns zu beschweren“ eingestimmt. Und ein Kurzprosastück über einen Ausflug nach Dänemark heißt „Jenseits des Kanals war der weite blaue Himmel“ – obwohl im Text weder von einem Kanal noch der Farbe des Himmels die Rede ist.
Das sind keine Rätsel. Es sind Zitate aus den unprätentiös alltagsphilosophischen Texten der Hamburger IndieRock–Band Tocotronic, die einen gewissen Kultstatus genießt. Eine Hommage, unverkennbar inspiriert vom Treiben der Donaldisten Patrick Bahners und Andreas Platthaus, die, wie der Spiegel enthüllte, für Überschriften und Bildzeilen im FAZ- Feuilleton systematisch Schöpfungen der Donald-Duck-Übersetzerin Erika Fuchs verwendet hatten.
„Wenn die das können, mache ich das auch“, dachte sich Klaus Ungerer, nachdem er im Sommer bei den Frankfurtern die Stil-Seite übernommen hatte. Und so vergeht seit nunmehr rund einem Vierteljahr kein Mittwoch ohne Titel, Unterzeile oder Bildtexte, die nicht den fünf Alben der Rockband entnommen sind. Als Höhepunkt seines Schaffens betrachtet Ungerer eine geradezu epische Bildunterschrift: „Die Alltäglichkeit, die man uns jederzeit aus vollen Fässern zapft, macht uns nicht mehr betrunken, sondern vielmehr bewusst, dass das Unglück überall zurückgeschlagen werden muss.“
Nur „ein paar jüngere Kollegen“ hätten seine „angemessenen Würdigungen der Band“ durchschaut, sagt Ungerer. Herausgeber Frank Schirrmacher kennt Tocotronic gar nicht, aber angesichts einer kryptischen Doppel-Überschrift hat er den Maniac kürzlich darauf hingewiesen, dass „wenigstens in der Unterzeile etwas Sinnvolles stehen sollte“. Was Ungerer seitdem beherzigt. Dennoch lebt der kluge Kopf jetzt auch außerhalb der Stil-Seite seine Obsessionen aus: Am Dienstag letzter Woche wob er in einen Tagungsbericht gleich vier Tocotronic- Zitate ein. „Ein bisschen durchgedreht“ müsse Ungerer sein, mutmaßt Bassist Jan Müller, der aber zugibt, dass sich die Band durchaus „geschmeichelt“ fühle von den permanenten Liebesbeweisen.
Der Fan aus Frankfurt kennt keinen der drei Musiker persönlich. Er hat nur einmal davon geträumt, er wäre Pizza essen gewesen mit Sänger Dirk von Lowtzow, der auch Journalist und Theaterautor ist. Ein Text von ihm auf der Stil-Seite – das ist Ungerers „größtes Ziel“. Der Schlussakkord einer langen Hymne. Wenn’s nicht klappt, liefern Tocotronic im Mai wenigstens neues Material zum Fabulieren. Dann erscheint ihr sechstes Album.
RENÉ
MARTENS
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westbabybam
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Dabei seit: 22.03.2001
07.12.2001 | 18:40:14
Hab's gelesen! Hihi.
Ich bekenne mich heute offiziell dazu, ein FAZ-Abonennt zu sein, und daß schon seit fünf Jahren!!!!| LINK
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der schöne dienstag
07.12.2001 | 19:11:44
kleine anekdote am rande: jan müller ist auch faz-abonennt!| LINK
