Da werden doch glatt fünfzehn Jahre Musikgeschichte verschwiegen. „Hallo Ride, hallo Lush, hallo Slowdive!“ (und wie die anderen Shoegazer-Bands so hießen) ist man zu rufen geneigt. Natürlich übertolle, aber selbst in Indie-Kreisen leicht betagte Referenzen. Trotzdem klingt das Debütalbum von Scut gerade jetzt im Frühling verdammt sexy und macht auch ohne Tätowierung eine ganze Menge Spaß. Die schnöde Hintergrundinformation, dass die Wiesbadener Freunde und Kollegen von Tobacco, also Daniel Riedl (Darlo) und Zac Johnson (Ex-Readymade), für die Produktion verantwortlich zeichnen, trübt den Hörgenuss keineswegs. Im Gegenteil. Einfach immer wieder 39 Minuten im Schrammelgitarrenpop versinken. Leider fehlt der frühe Hit „Kellerdisco“, aber der steht zum Glück auf der gleichnamigen Webseite www.kellerdisco.de als MP3-Download bereit. Außerdem fehlt diesem wiederum der bittersüß-melancholische sowie verhallte Doppelgesang von Markus Losert und Bassistin Regine Schröter, der einen Großteil des Charmes der Band ausmacht, die live übrigens auch was kann. Wieso haben Scut bloß noch nie auf dem Immergut Festival gespielt, Herr Kemper? Nichts für die Ewigkeit, aber viele schöne Momente. Und die zählen letztendlich mehr als haltlose Versprechungen.