The Black Power Mixtape 1969-1975
Bringt Licht ins Dunkel
15.11.2011, 16:07, Text:
Astrid Kusser
Schwedische Filmaufnahmen, die lange im Archiv schlummerten, werfen ein interessantes Licht auf die amerikanische Black-Power-Bewegung. Eine Doku, die sensibilisiert, nicht historisiert.
»Burn, Baby, Burn«, singt der afroamerikanische Studentenführer Stokely Carmichael 1967, während er ein paar Papiere in einem Aschenbecher verbrennt. Die beschwörende Formel stammt von einem Radio-DJ in Kalifornien, der damit heißen Soul ankündigte, kurz bevor er die Nadel auf die Platte setzte. Als Jugendliche 1965 in Los Angeles im Stadtteil Watts ihrem Ärger über Polizeigewalt und Diskriminierung gewaltsam Luft machten und Tausende von Geschäften anzündeten, wechselte der Spruch die Bedeutung. Die Kids schrien es auf der Straße in die Fernsehkameras.
»The Black Power Mixtape 1967-1975«zeigt Bilder über die Bürgerrechtsbewegung in den USA, die vierzig Jahre lang in schwedischen Archiven lagen. Gestochen scharf und in kühl modernistischem Stil dokumentieren sie einen ungewöhnlich solidarischen und freundschaftlichen Blick auf die Politik von Black Power. Jugendliche wie Carmichael riefen nicht einfach zu Gewalt auf. Sie vertraten eine neue Haltung. Sie wollten sich nicht anpassen, sondern eine bessere Gesellschaft. Und sie verlangten ein Recht, sich selbst zu verteidigen. Waffen zu tragen war unter gewissen Auflagen ein in der Verfassung festgeschriebenes Recht aller Amerikaner. Huey P. Newton gründete 1966 zusammen mit Bobby Seale die Black Panther Party for Self-Defense. Er hatte in Kalifornien Jura studiert und kannte die Rechtslage. Journalisten warfen Black Power immer wieder vor, zur Gewalt aufzurufen. In einer eindrücklichen Szene im Film platzt Angela Davis der Kragen: Sie erzählt, mit welcher Gewalt sie in Alabama aufwuchs, von einem Bombenanschlag des Ku Klux Klan, von herumliegenden Leichenteilen ihrer Freundinnen.
Der Filmemacher Göran Olsson zeigte in den letzten Jahren diese alten Fernsehbilder aus Schweden afroamerikanischen Intellektuellen und nahm ihre Stimmen auf: Sie kommentieren nun im Film die Bilder aus dem Off. Zu hören ist neben vielen anderen Abiodun Oyewole von den Last Poets und auch der Rapper Talib Kweli, der kurz nach den Anschlägen von 2001 am Flughafen verhört wurde. Als Indiz diente dem Amt für Innere Sicherheit, dass er sich auf YouTube die Reden von Stokely Carmichael angesehen hatte.
»The Black Power Mixtape 1969-1975« (S 2011; R: Göran Olsson; Kinostart: 14.12.)
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