Underwater Love – A Pink Musical
Der Sprung ins kalte Wasser
12.10.2011, 15:07, Text:
Biru Binder
Mythenproduktion und fabelhafte Vögelei auf Japanisch. Das Label Rapid Eye Movies wagt etwas Neues. Kameragott Christopher Doyle und die Berliner Underground-Veteranen Stereo Total sitzen mit im Boot.
Ein flüchtiger Blick aufs Cover verrät schon den verwegenen Anspruch der ersten Eigenproduktion des Filmlabels Rapid Eye Movies: nicht nur ein Pinkfilm, also die spezifische japanische Variante erotischen Kinos, auch noch ein Musical, und zwar gefilmt vom legendären Kameramann Christopher Doyle, dessen Kooperationen mit Wong Kar-Wai (»Chungking Express«) ihn berühmt gemacht haben. Schon damals soll er bei den Dreharbeiten kein Schmusekind gewesen sein. Ein Wagnis also, wie das ganze Label REM zum Gründungszeitpunkt wohl eines gewesen ist.
Der Oneliner zu »Underwater Love – A Pink Musical« lautet: Kurz vor der Heirat mit ihrem Chef trifft Fischfabrikarbeiterin Asuka auf Jugendliebe Aoki. Der erscheint ihr in Gestalt eines Kappa, eines in Japan erdachten frech-frivolen Fabelwesens. Der Soundtrack des Musicals ist eine J-Pop/Stereo-Total-Fusion. So, wie Françoise Cactus' Stimme unverwechselbar ist, so erkennt man in den wiederkehrenden Szenen am See die Handschrift von Christopher Doyle.
Es wird tatsächlich gevögelt, aber ein richtiger Pinkfilm ist »Underwater Love« nicht. Christopher Doyle: »Es ist nicht der übliche ›Oh yeah, baby! Fuck me, fuck me!‹-Scheiß.« Die Mythenproduktion dient einem anderen Zweck. Wir erkennen den Kappa an seiner Wassermulde auf dem Kopf, an seinem schnabeligen Mund und am kleinen Rückenpanzer, der dem einer Schildkröte ähnelt. Der Kappa lebt vorwiegend in Teichen und Flüssen. Er liebt es, den Menschen Streiche zu spielen. Der Kappa verkörpert sozusagen das Ultimo an Otherness jenseits des Menschen. Aber er liebt einen Menschen so sehr, dass er dem Todesgott sein Leben im Tausch gegen das Leben seiner Liebsten anbietet. Schafft es Aoki, den Todesgott zu überlisten, und lässt Asuka ihren doofen Fischfabrikchef sitzen? Unter der Regie von Shinji Imaoka ist ein Pinkfilm für Ladys entstanden – und dem Label mal wieder der Sprung ins kalte Wasser gelungen.
»Underwater Love – A Pink Musical« (J/D 2011; R: Shinji Imaoka; D: Sawa Masaki, Yoshiro Umezawa, Ai Narita; Kinostart: 27.10.)
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