Komm, wir gehen Indie-Kino! - Neue Kultfilme: »Submarine« und »This Must Be The Place« Artikelbild (groß)

Komm, wir gehen Indie-Kino!

Neue Kultfilme: »Submarine« und »This Must Be The Place«

29.09.2011, 14:42, Text: Wolfgang Frömberg

Die Regisseure Richard Ayoade und Paolo Sorrentino bereichern das Kino im November mit spannenden Soundtracks.

Richard Ayoade ist nicht nur Stand-Up-Comedian. Er war bislang auch als Regisseur von Musikclips für Indiebands wie Yeah Yeah Yeahs und Vampire Weekend bekannt. Die Beziehungen zum Milieu nutzte er für sein Spielfilmdebüt »Submarine«, das am 17.11. in die Kinos kommt. Eine Hand wäscht die andere: Ayoade kooperierte mit den Arctic Monkeys, jetzt schrieb Alex Turner Songs für den Soundtrack. Wer vermutet, es könnte sich um einen Film für Leute handeln, die auf »Juno« oder »Hallam Foe« stehen, liegt schon richtig. Aber auch »Harold & Maude« oder die »Die fabelhafte Welt der Amélie« wären keine verkehrten Referenzen für die Love-Story von Oliver Tate (Craig Roberts) und Jordana Bevan (Yasmin Paige).


Und, nee, was für süße Blagen! Die beiden lernen einander durch das gemeinsame Mobben einer dicken Mitschülerin zu schätzen. Fortan lungern sie an trashigen Orten rum und entwickeln ihre eigene Romantik. Ein ums andere Mal schauen sie buchstäblich ins lodernde Feuer, dann schlagen die Flammen ihnen auch sprichwörtlich bis zum Hals. Zu den Sorgen, die ihnen ihre kaputten Eltern bereiten, gesellt sich der Stress einer brennenden Liebe. Natürlich läuft der Plot auf eine Verwicklung dieser Ebenen hinaus. Der britische Film müsse auch mal cool sein dürfen, und ein Anti-Held solle ruhig seine unsympathischen Seiten haben. So Regisseur Ayoade, der »Submarine« mit »Taxi Driver« vergleicht: »Nur dass es um einen 15-jährigen Jungen geht, der keinen Zugang zu Waffen hat.« Der eigene Anspruch genügt letztlich, um ein gut anderthalbstündiges Musikvideo zu produzieren, das man auch dann weiterguckt, wenn Alex Turner nicht singt. Wie sich wohl John Dunthornes literarische Vorlage dazu verhält?



Paolo Sorrentino hat mit »This Must Be The Place« das nächste Werk zu verantworten, das uns im November (Kinostart: 10.11.) mit seinen Musikbezügen für sich einzunehmen versucht. Der Titel des Roadmovies um einen von Sean Penn – mit Haut und Haar! - verkörperten Ex-Rockstar namens Cheyenne ist schon Zitatpop. Die älteren Zuschauer werden sich erinnern. Und so wie der Soundtrack mehrere Versionen des gleichnamigen Stücks der Talking Heads aufbietet (unter anderem haben Arcade Fire es gecovert), geht es im Film um diverse Interpretationen dessen, was man gemeinhin Leben nennt. So einfach hätte es sein können und nimmt doch bizarre Züge an. Sorrentino gelingt eine Groteske, die Wim Wenders nicht mehr drehen muss. Vielsagende Blicke, leere Dialoge, architektonische Impressionen für Autisten: das erinnert an »True Stories« von Talking-Heads-Boss und Wenders-Fan David Byrne, der sich hier auch in einer kurzen Szene selber spielen darf. Wie man den Auftritt eines Nazis als vorläufigen Höhepunkt eines Spielfilms inszeniert, hätte Paolo Sorrentino sich zudem besser mal bei den Coen-Brüdern abgeschaut, die in »Barton Fink« diesbezüglich ganze Arbeit geleistet haben. Der deutsche Verleih scheint der gut gemeinten, aber doch etwas laschen Angelegenheit mit dem Titelzusatz »Cheyenne – This Must Be The Place« im Nachhinein etwas Pfeffer hinzufügen zu wollen. So wie man als Zuschauer versucht ist, dem Regisseur die Konzentration auf einige Leitmotive nahezulegen, die immer mal wieder aufblitzen. Mit der irgendwie bedauernswerten Hauptfigur muss man aber dazu sagen: »Late is late.«



Submarine
UK 2010
R: Richard Ayoade; D: Sally Hawkins, Paddy Considine, Craig Olivier, Yasmin Page; Kinostart: 17.11.

Cheyenne – This Must Be The Place
I/F/IRE 2011
R: Paolo Sorrentino; D: Sean Penn, France McDormand; Kinostart: 10.11.



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aus Intro #196 (Oktober 2011)
 
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