So ist das Fantasy Filmfest 2011 - Die letzen Tage: Klaustrophobische Kammerspiele und skandinavische Slasher Artikelbild (groß)

So ist das Fantasy Filmfest 2011

Die letzen Tage: Klaustrophobische Kammerspiele und skandinavische Slasher

24.08.2011, 10:49, Text: Nina Scholz

Dauerfilmwochenende am Potsdamer Platz: Draußen ist es heiß und hell, drinnen düster und kühl. Nina Scholz war für uns vor Ort.

Die letzten Tage auf dem Berliner Fantasy Filmfest sind angebrochen:  Am Dienstag Abend lief mit »The Divide« der neue Film von Xavier Gens. Gens gilt seit seinem »Frontier(s)« (2007) als Mitbegründer der sogenannten »Neuen Französischen Härte«; einer spezifischen Spielart der im Horror- und Splatterkino derzeit beliebten Torture-Filme.  Handlungsort von »The Divide« ist diesmal kein Pariser Banlieue (wie in »Frontier(s)«), sondern die Überreste von New York: Eva (Lauren German) beobachtet von ihrem Fenster aus wie der Big Apple in Schutt und Asche gelegt wird und rettet sich mit einigen Nachbarn in den Schutzkeller des Hauses. Außer Eva konnten noch ihr Freund Sam (Ivan Gonzalez), Marilyn (Rosanna Arquette) mit ihrer kleine Tochter Wendy (Abbey Thickson), drei Punks (Milo Ventimiglia, Michael Eklund und Ashton Holmes), ein Security-Wachmann in Zivil (Courtney B. Vance) und der unsympathische, patriotische Hausmeister Mickey (Michael Bien) flüchten.


Kurze Zeit später öffnet sich die Tür zum Keller, Männer in Schutzanzügen betreten mit Maschinengewehren bewaffnet den Raum, entführen Wendy, schießen auf die anderen und verschwinden wieder. Die Gruppe wagt daraufhin einen Blick vor die Tür, wo ein durch Schutzfolien abgesichertes Labor aufgebaut ist. Doch das war der letzte Blick nach draußen: die Tür wird von außen verschweißt. Damit ist den drinnen Verbliebenden jegliche Fluchtmöglichkeit genommen, gleichzeitig wurde den Spekulationen über diejenigen hinter dem Angriff auf die Stadt ein Ende gesetzt: In den Schutzanzügen stecken keine Aliens und auch keine Terroristen, sondern Amerikaner. Kurz darauf entdeckt die Gruppe noch eine weitere Tür im Kellerraum hinter der sie einen Lebensmittelvorrat vermuten.

Mickey kennt als einziger die Kombination des Schlosses, versucht aber mit allen Mitteln zu verhindern, dass die anderen erfahren, was hinter der Tür liegt. Als die Verzweiflung wächst, beschließen zwei aus der Gruppe Mickey zu foltern und übertreten damit eine moralische Grenze. All diese Situationen hakt Gens einigermaßen atemlos ab und nutzt sie auch nicht um gesellschaftspolitische Einordnungen vorzunehmen, sondern um schnell zum eigentlich Motiv von seines Films vorzustoßen. »The Divide« ist im folgenden ein apokalyptisches, klaustrophobisches Kammerspiel, eine sadistische Versuchsansordnung im »Lord Of The Flies«-Stil. Keine der Figuren taugt dabei besonders anhaltend zur Identifikationsfigur, was eine zu enge Einbindung des Zuschauers obsolet werden lässt. Gleichzeitig ist Gens mit der Kamera stets nah dran am Geschehen, lässt so das Chaos und die Panik im Keller deutlich spürbar werden. Mit »The Divide« liefert Xavier Gens defintiv seinen bisher besten, weil deutlich verfeinerten, weniger plumpen und plotlastigsten Film ab, dessen Horror noch lange nach wirkt. 



Am Montag Nachmittag kamen hingegen Slasher-Freunde beim Screening von »Cold Prey 3 (Fritt Vilt 3)« voll auf ihre Kosten. Die norwegische Reihe kann glücklicherweise auch im dritten Teil das Niveau der ersten beiden Filme halten. Fünf Teenager besuchen diesmal das verlassene Hotel in den Bergen, welches erneut als Schauplatz dient. Gleichzeitig wird in Rückblenden die Vorgeschichte des immer wiederkehrenden Schlächters erzählt. Wieder einmal setzt die norwegische Reihe auf präzisen Spannungsaufbau und reagiert nicht, wie manch amerikanische Artgenossen, mit postmodernem Überbau und selbstreferentiellen Humorentladungen auf die gewohnten Abläufe des Slasher-Plottes. Darüber hinaus kann auch der dritte Teil wieder mit dem schlagkräftigen Final Girl aufwarten: Hedda (Ida Marie Bakkerud) setzt sich in »Cold Prey 3« genauso zu Wehr wie ihre Vorgängerin Jannicke (Ingrid Bolso Berdal) aus Teil 1 und Teil 2. Damit etabliert sich Cold Prey endgültig als eine der interessantesten Slasher-Reihen, die aktuell im Kino laufen.            



Mehr Infos und Ticket-Verlosung für 2012 auch unter www.intro.de/fff.

Unsere Autorin Nina Scholz berichtete vom Fantasy Filmfest 2011 in Berlin. Alle Artikel findet ihr unter www.intro.de/spezial/fantasyfilmfest11.



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