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Noise And Resistance

Ein Film von Franny Araiza

30.05.2011, 17:43, Text: Inga Selck, Foto: Intro

Dokumentation über die große DIY-Anarcho-Punk-Szene – eine Europareise, die von Widerstand und dem Zusammenhang von gelebter Popkultur und politischem Aktivismus handelt.


Leer stehende Fabrikhallen, Brachland übersät mit Bauschutt und Wagenplätze in Berlin. Das sind genauso Orte der DIY-Szene wie Baumhausdörfer in schwedischen Wäldern, die Straßen Moskaus, die Hinterhöfe in Barcelona oder alte Häuser in der Grafschaft Essex. Der Dokumentarfilm »Noise And Resistance« spürt einer internationalen Szene nach, die ihre Kultur selbst in die Hand nimmt und seit den 1970er-Jahren versucht, eine Nische jenseits der Konsumgesellschaft – und nicht zuletzt reale Orte – freizukämpfen.


Die beiden Regisseurinnen Julia Ostertag und Franny Araiza Andrade reisen quer durch Europa und begeben sich in den politischen Handlungskontext ihrer Protagonisten. Das liegt auch nah: Andrade ist Videoaktivistin und Mitglied des Berliner Filmkollektivs AK KRAAK, das aus der Hausbesetzerszene entstanden ist. Ostertag hat sich in ihrer Filmarbeit vor allem mit Themen im queeren Umfeld befasst. Die historischen Aspekte der Punk-Geschichte erzählen sie in »Noise And Resistance« anhand von Archivmaterial und Zeitzeugen. Die Entwicklungen der aktuellen Szene lassen sie von deren Vertretern und legendären Typen wie Penny Rimbaud von der Band Crass kommentieren. Ein wenig schade, dass nur an einer Stelle im Film Fragen aus dem Off gestellt werden. Während in den nord- und mitteleuropäischen Ländern die Existenz von Punk selbstverständlich Teil der (Pop-)Kultur ist, wird die Szene in Russland bedroht. In Moskau treffen Ostertag und Andrade auf Aktivisten, deren Leben akut in Gefahr ist. Dieser Teil des Films ist der spannendste, auch weil die Filmemacherinnen hier selbst eingreifen. Sie erfahren durch ihre Fragen, dass die Aktivisten Messer tragen, weil Freunde ermordet wurden und sie sich verteidigen müssen. Der autoritäre Staat und die immer weiter wachsende Neo-Nazi-Szene bedrohen alle Formen von alternativen Lebensentwürfen: antirassistische, schwul/lesbische und eben auch Migranten. Mit »Noise And Resistance« gelingt den Filmemacherinnen das auf weiten Strecken unverstellte Porträt einer Szene, die sich an manchen Orten ausgereizt hat und an anderen neu aufkeimt.

 
»Noise And Resistance« (D 2011; R: Franny Araiza Andrade, Julia Ostertag; D: Crass, Politzek, La Clasa Fantom, Fall Of Efrafa, What We Feel; Kinostart: 16.06.)







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aus Intro #193 (Juni 2011)
 
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