Derek Jarman
Ausstellung in Düsseldorf: Leuchtende Dunkelheit
03.11.2010, 15:44, Text:
Oliver Tepel
Derek Jarman war mit der Kamera vor Ort, als mit Punk die Pop-Musik ein zweites Mal explodierte. Dennoch sind seine Spielfilme heute nur wenigen bekannt, sein Super-8-Œuvre ist nahezu unbekannt. Eine Ausstellung in Düsseldorf soll das ändern. Für Oliver Tepel eine wahre Fundgrube.
Wir sehen eine Frau im mondänen Abendkleid, eine schwarze Stola fällt elegant über den bloßen Rücken, ein breitkrempiger Hut wirft Schatten auf ihr Gesicht. Auf ihren Armen trägt sie ein schwarzes Tuch, wie bei einer rituellen Zeremonie. Neben ihr ein Typ im Anzug. Irgendwas hat er sich über den Kopf gezogen. Eine Tüte? Eine dadaistische Maske?
Es ist nicht genau auszumachen - wir werden geblendet, ein kleiner Spiegel in der Hand des Mannes wirft unentwegt Strahlen in die Kameralinse. Bald darauf läuft ein hübscher Dandy mit schwarz geschminkten Augen durch das Bild, auch mit einem Spiegel gewappnet, und wieder trifft uns der Strahl, gleißend scharf.
Diese Bilder aus Jarmans Super-8-Film "The Art Of Mirrors" aus dem Jahr 1973 machen glauben, die experimentelle Filmkunst des Briten habe damals schon auf Punk gewartet, um ihre enormen Balanceakte zwischen beiläufigem Gestus und präzisester Inszenierung fokussieren zu können. Und irgendwie stimmt es auch. Denn plötzlich, Ende der 70er, fand seine Ästhetik ihren Ort in Raum und Zeit und führte, vom Zeitgeist begleitet, zu weit mehr als ein paar flüchtigen Videos mit Bands wie Throbbing Gristle, Orange Juice oder den Pet Shop Boys.
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