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Inception

Tief, aber flach

16.08.2010, 17:19, Text: Nina Scholz

Christopher Nolan gilt seit „Memento“ als eines der größten Wunderkinder des Hollywood-Kinos. Doch schon bei seinem ästhetisch gelungenen „Batman“ übersahen viele den schlechten Plot. Im Fall von „Inception“ scheitert er an der Realisation einer guten Idee. Von Nina Scholz.
 
Es ist eine bestechende Idee: Der gemeine Blockbuster hat schon immer das realistische Erzählen gesprengt; warum also nicht die Erzähl- mit einer Traumebene gleichschalten? Das hat sich wohl auch Autor und Regisseur Christopher Nolan („Memento“, „Batman: The Dark Knight“) gedacht, und so schickt er in seinem aktuellen Film „Inception“ Leonardo DiCaprio als Traumbegeher Dom Cobb tief in das Unterbewusstsein anderer Menschen.



Normalerweise macht es Cobb seinen Klienten möglich, die eigenen Träume und somit das eigene Unbewusste zu erleben. Doch sein neuster Auftrag ist anderer Natur: Er soll mit einem Team eine ganz bestimmte Idee tief ins Unbewusste des Millionenerben Robert Fisher einpflanzen, damit dieser sich entschließt, seinen eigenen Konzern zu zerschlagen und die bevorstehende Monopolstellung aufzugeben. Dafür muss das Team um Cobb statt der ersten noch eine zweite und dritte Traumebene erschaffen und außerdem gemeinsam mit dem dann sedierten Fisher in dessen Psyche hinabsteigen. Doch je tiefer sie kommen, desto gefährlicher werden die Projektionen des Unbewussten – und auch Cobbs eigene Verdrängungen werden mit zunehmender Tiefe bedrohlicher. Durch die verschiedenen Ebenen des Films, die zeitlich miteinander verknüpft sind, ergeben sich für den Regisseur eine Menge Möglichkeiten: Die Action- und Kampfinszenierungen sind zwar gewöhnlicher Art, vieles, was in anderen Filmen als unnötige Effekte wahrgenommen wird, federt in „Inception“ jedoch die inszenatorische Verbindung der Traum- mit der Echtzeiterzählung ab. Dadurch entsteht eine spannende Synchronisation.

Trotzdem muss man „Inception“ als gescheitert ansehen: Nolan hat es nicht geschafft, den Blockbuster mit anderen Mitteln neu zu erfinden, weil er das Konzept an sich missverstanden hat: Statt sich auf die wirkungsmächtigste Ebene des Blockbusters, seine Inszenierung – man könnte es auch Oberfläche nennen –, zu begeben, begibt er sich an den Plot, den manche wohl Inhalt nennen würden. Was dabei herauskommt, ist ein wichtigtuerischer Film, der seine Möglichkeiten verschenkt und versucht, Intellektualität einzuführen, stattdessen aber nur den Handlungsstrang unnötig verschnörkelt und außerdem vergisst, das Publikum zu unterhalten. Und das ist leider das Schlechteste, was man über einen solchen Film sagen kann.
 
Inception(USA 2010; R: Christopher Nolan; D: Leonardo DiCaprio, Ken Watanabe, Ellen Page, Marion Cotillard, Joseph Gordon-Levitt; 29.07.)



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aus Intro #185 (September 2010)
 
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