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Bong Joon-ho / Mother

Sündenböcke & Underdogs

16.08.2010, 17:07, Text: Martin Riemann

Bong Joon-hos Vorliebe für soziale Randfiguren, Behinderte und banale Alltagssituationen ist seit „The Host“ auch außerhalb Südkoreas bekannt. In „Mother“ versucht eine ältere Dame die Unschuld ihres geistig zurückgebliebenen Sohnes zu beweisen, der wegen Mordverdacht verhaftet wurde. Martin Riemann sprach mit dem Erfolgsregisseur.
 
Der Fokus ihrer Arbeit liegt auf den sozial Benachteiligten. Was ist der Grund?
Wenn ich ein Drehbuch schreibe, dann aus der Perspektive der Schwachen. In meinen Filmen gibt es immer den Ausgangspunkt, dass sich Individuen in einer ungerechten Lage befinden.

Für mich ist das eine ironische Situation, bei der eine intensive Emotionalität zum Ausdruck kommt. Das basiert auf meiner Lebensphilosophie, weil ich es ständig in Frage stelle, ob der Staat, die Gesellschaft oder das System überhaupt in der Lage sind, das einzelne Individuum beschützen zu können. Und das gilt nicht nur für die koreanische Gesellschaft.
Die Figuren in „Mother“ erscheinen zunächst wie banale Alltagstypen, bekommen aber im Laufe der Handlung geradezu mythische Proportionen.
Diesmal habe ich darauf verzichtet, die einzelnen Figuren näher zu erläutern. Ich erzähle weder ihre Vorgeschichte noch ihr Verhältnis zueinander eindeutig. Dadurch wirkt alles mysteriös. Vor allem bei der Figur des Sohns weiß man überhaupt nicht, was er denkt. Er ist selbst für seine eigene Mutter ein Rätsel, was einerseits traurig und andererseits ziemlich unheimlich ist. Aber genau dadurch wird die Spannung in dem Film aufrechterhalten.
Trotz des schwierigen Themas ist ihr Film stets spannend. Worauf legen Sie am meisten Wert?
Man geht nicht ins Kino, um die Realität zu erleben oder Kritik an der Gesellschaft zu üben. Das sind Nebenprodukte, die höchstens für Filmkritiker von Interesse sind. Für den Großteil steht ein unterhaltsamer Abend im Vordergrund. Diesen Wunsch sollte man erfüllen können.
 
Mother(ROK 2009; R: Bong Joon-ho; D: Kim Hye-ja, Bin Won, Yoon Jae-moon; 05.08.)



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aus Intro #185 (September 2010)
 
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