Splice - Das Biest, das hybride! Artikelbild (groß)

Splice

Das Biest, das hybride!

20.05.2010, 11:59, Text: Gabriele Scholz

Für die Charaktere in Vincenzo Natalis „Cube“ waren die Würfel schnell gefallen. Nun hat der Fachmann für delikaten Horror wieder zugeschlagen. Er schafft nicht nur ein Monster der etwas anderen Art, sondern gleich eine neue Art von Genrefilm. Von Gabriele Scholz.
 
Vincenzo Natali, dessen klaustrophobisch-kafkaesker Science-Fiction-Film „Cube“ 1997 ein paar hoffnungslos Verlorene um den Ausweg aus einer mörderischen Falle kämpfen ließ, kämpfte selbst zehn Jahre lang um die Verfilmung seines absurden Gruselschockers „Splice“.

Darin führt ein überaus talentiertes Forscher-Ehepaar – gespielt von Sarah Polley und Oscar-Gewinner Adrien Brody – illegale genetische Experimente durch. Bei der Kreuzung von menschlicher und tierischer DNA entsteht schlussendlich ein erotisches Monster. Es sieht aus wie eine Mischung aus Känguru und haarlosem Supermodel. Seine Schöpfung tauft das von Frankenstein inspirierte Paar Dren – nachdem das heranwachsende Zwitterwesen mit Scrabble-Buchstaben Elsas T-Shirt-Aufdruck nachlegt: Nerd.
Als genialen Nerd muss man auch den Regisseur bezeichnen, der die Rolle von Dren gottlob mit zwei echten Schauspielerinnen (jung und erwachsen) besetzte. Das Monströse an ihr hat er nachträglich am Computer hinzugefügt. Durch ihre nuancierte Mimik und Gestik spielt sich die Kreatur wie ein missgebildetes und gleichzeitig hochbegabtes Kind in die Herzen der Zuschauer: Manchmal wirkt sie sogar menschlicher als ihre egomanischen Erzeuger. Sie lässt uns erschauern, wenn sie Sex mit ihrem Erzeuger Clive hat, und schockiert uns umso mehr in den Momenten, in denen das hybride Biest in ihr Überhand gewinnt. Etwas Ähnliches hat man im Kino noch nie gesehen.
„We’ve changed the rules“, sagt Clive zu Elsa in einem besonders verzweifelten Moment. Ihr „Experiment“ ist ihnen längst über den Kopf gewachsen und in einem gruseligen Landhaus, das Elsa von ihrer Mutter geerbt hat, untergebracht. Der Spruch gilt auch für Natalis Umgang mit Genreregeln, die er in „Splice“ verändert. Hier steckt alles drin: hochkarätig besetzter Horror-B-Movie, intellektuelle Science-Fiction und Familienfilm mit aus der Art geschlagenem Kind. Deshalb kann die Gruselfilm-Liebhaberin in „Splice“ auch ruhig ihren zartbesaiteten Boyfriend mitnehmen ...
 
Splice(CDN/F/USA 2009; R: Vincenzo Natali; D: Sarah Polley, Adrien Brody, Delphine Chanéac; 03.06.)



Artikel kommentieren
aus Intro #183 (Juni 2010)
 
  • Mehr Infos

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
DIE FILMSTARTS DER WOCHE
Drive - Und weitere Filmstarts und Trailer der Woche

Drive

Und weitere Filmstarts und Trailer der Woche
... mehr

 

DVD-EMPFEHLUNGEN

Das neue Fernsehen - Neu auf DVD & Blu-ray

Das neue Fernsehen

Neu auf DVD & Blu-ray
... mehr



 
Anzeige
 

 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]