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Die Eleganz der Madame Michel

und weitere Filmstarts und Trailer der Woche

06.05.2010, 13:07, Text: Lars Tunçay



Donnerstag ist Kinotag: Die wichtigsten neuen Filme, vorab gesehen und für gut oder schlecht befunden von unserem Hardcore-Cineasten Lars Tunçay.

Die Eleganz der Madame Michel
(Foto)
R: Mona Achache; D: Josiane Balasko, Garance Le Guillermic, Togo Igawa, Anne Brochet etc.
Erstaunlich, wie weise das Langfilmdebüt der gerade mal 29-jährigen Mona Achache daher kommt. Mit dem Roman "Die Eleganz des Igels" der Marokkanerin Muriel Barbery hatte sie allerdings auch eine ausgesprochen kluge Vorlage. Die Adaption eines Bestsellers dieses Kalibers bringt eine gewisse Erwartungshaltung mit sich und es ist vielleicht die größte Leistung der jungen Regisseurin, sich mit bewundernswerter Ruhe und überraschend sicherer Hand über diese hinweg zu setzen.


Mit einem Cast aus unverbrauchten Gesichtern vertraut sie ganz auf die Geschichte. Ihre Akteure können dabei vollends überzeugen, allen voran Josiane Balasko als Protagonistin, eine Concierge in einem reichen Haus inmitten von Paris, und Garance Le Guillermic als ihre junge Seelenverwandte.

Die 11-jährige Paloma lebt als hochbegabter Sprössling eines ebenso reichen wie gefühlskalten Ehepaares im selben Haus, in dem Madame Michel als Fußabtreter der Vornehmen dient. Die Mutter lebt ihre täglichen Dramen in einem Delirium aus Anti-Depressiva vornehmlich in Gesellschaft aus, während ihr Vater und die ältere Schwester das seltsame Mädchen schlicht ignorieren. Paloma betrachtet die Welt um sie herum am liebsten durch die Linse ihrer Super8-Kamera und analysiert die Menschen in ihrem messerscharfen Verstand. Insgeheim plant sie den Suizid, doch dann entdeckt sie, dass hinter der griesgrämigen Fassade, die der Hausmeisterin auferlegt wurde, eine sensible Frau mit Vorliebe für Dostojewski steckt. Sie rollt sich in ihrem kleinen Appartement zusammen und zeigt allen die Stachel.

Aber der neue Mieter, ein Japaner mit Namen Ozu (wo die Hommage an den großen Humanisten unter den Regisseuren noch nicht endet) dringt in das Innere ihres Baus vor und erweckt die Concierge zu neuem Leben. Wunderbar passt dabei das Bild des Igels, der auch den schlichten Originaltitel ziert. Dass daraus vom deutschen Verleih eine Anlehnung an sentimentale Rührstücke wie "Die Kinder des Monsieur Matthieu" gezimmert wurde, ist traurig. Denn dieses wunderbar leise Kleinod mit seiner warmen Farbsprache und den stilvollen Bildern, die Gabriel Yared mit umschmeichelndem Jazz unterlegte, ist alles andere als sentimental. Dann schon eher ein Film für Katzenliebhaber, denn Katzen und Bücher gehen auch hier ganz hervorragend zusammen.
 



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