Internationale Kurzfilmtage Oberhausen: MuVi
Ein paar Tipps für gute Clips
23.04.2010, 11:42, Text:
Kristina Koch
Totgesagt und nicht gestorben. Der Music-Clip ist nicht kleinzukriegen. Schon mal bei den Oberhausener Kurzfilmtagen gewesen, wo seit über zehn Jahren der MuVi-Preis für das beste Musikvideo vergeben wird? Musikfernsehen-Veteran und Buchautor Eric Pfeil gehört dort in diesem Jahr zur Jury. Aber hat er auch Ahnung? Kristina Koch nahm ihn in die Mangel.
Kannst du dich an das erste Video erinnern, das du bewusst wahrgenommen hast?
Das war „Money For Nothing“ von Dire Straits. Eins der schlimmsten Stücke der Achtziger.
Du hast in den 90ern bei Viva 2 und Viva die Video-Rotationen mit beschlossen.
Ich sehe gern Menschen und wie eine Geschichte erzählt wird. Ich möchte denken: Was für tolle Typen!
Zum Beispiel?
Das neue Flaming-Lips-Video „Watching The Planets“, in dem eine Nudistensekte durch den Wald läuft und Wayne Coyne dazwischen in einer Spacekugel rumspaziert. Oder „Carrot Rope“ von Pavement. Da tanzt die Band albern in gelben Regenmänteln rum. Recht simpel, aber man sieht, sie hatten Spaß beim Filmen. Ich mag auch Performance-Videos mit Brüchen wie bei einem alten Motorpsycho-Video: Drei Mädels tun so, als seien sie die Band.
Kannst du was mit Art-Clips anfangen?
Ich mag es nicht so, wenn sich Grafikdesigner am Rechner austoben. Michel Gondry schafft da eine gute Verbindung: Er führt den Drang zur Hi-Tec-Sprache im Video ad absurdum, indem er den PC imitiert. Er zeigt die Bastelei ganz bewusst, zum Beispiel sind die Drähte sichtbar.
Wie auch Michel Gondry kommen viele Filmregisseure vom Video. Hat ein Clip also seine Daseinsberechtigung im Kino?
Durchaus. Viele bedeutende Regisseure haben vorher Musikvideos gemacht: Spike Jonze, Mike Mills, Chris Cunningham ... Vieles, was sie heute in den Filmen machen, haben sie damals in den Clips ausprobiert. Es verhält sich wie die Kurzgeschichte zum Roman. Ein gutes Video kann mich begeistern wie ein guter Film.
Durch Michael Jacksons „Billy Jean“ und „Thriller“ hat sich das Video vom Promo-Clip zur Kunstform entwickelt ...
Angeblich war das erste Video ja „Subterranean Homesick Blues“ von Dylan (1965). Das ist auch schon ein Kunstwerk, es wird häufig kopiert. Oder„Strawberry Fields Forever“. Auch „Ashes To Ashes“ von Bowie.
Ist es heute noch wichtig für eine Band, ein Video zu haben?
Ich glaube, das Thema ist noch nicht gegessen. YouTube ist eine Kultur für sich. OK Go zum Beispiel haben nur mittelmäßige Songs, sind aber für ihre Videos berühmt. Ihr neues Video „This Too Shall Pass“ ist super und sehr mühevoll inszeniert.
Hast du noch ein paar Tipps für gelungene Clips?
Flaming Lips’ „Ambulance Driver“, „Let Forever Be“ von Chemical Brothers mit Noel Gallagher (von Michel Gondry) und natürlich Johnny Cashs „Hurt“.
Intro präsentiert:
die Verleihung des MuVi-Preises in Oberhausen am 1. Mai, 22:30 Uhr Lichtburg. www.kurzfilmtage.de
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