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Hollywood Freeway

Neues aus LA: Sandra Bullock und die Himbeere

12.03.2010, 11:17, Text: Emanuel Bergmann, Foto: Emanuel Bergmann

Unser Hollywood-Reporter Emanuel Bergmann berichtet ab sofort regelmäßig aus Los Angeles und den Hollywood Hills. Dieses Mal: Sandra Bullock gewinnt einen Razzie-Award, auch bekannt als "Goldene Himbeere".

Vergangenes Wochenende wurde hier in Hollywood wieder einmal der begehrteste Filmpreis schlechthin verliehen, der Oscar. Verglichen mit dem Oscar sind Goldene Bären und Silberne Löwen ein Streichelzoo. Natürlich würde ich gerne mal zur Preisverleihung gehen, aber dazu muss man Academy-Mitglied sein, und das ist mir bislang nicht vergönnt.


Zum Glück gibt es da noch einen ganz anderen Preis. Einen, den keiner will: Die Goldene Himbeere, mit der die schlechtesten Filme des Jahres gewürdigt werden. Ich bin seit einigen Jahren stolzes Mitglied der Himbeer-Academy, da sind die Regeln nicht so strikt wie bei der echten Academy. Jeder kann beitreten, man muss nur 25 Dollar im Jahr löhnen, und schon wird man zur erbärmlichsten Preisverleihung der Welt eingeladen.

Dieses Mal fand sie günstigerweise bei mir um die Ecke statt, in einem kleinen Theater in Hollywood. Es regnete in Strömen. Die Menschenmenge hielt sich in überschaubaren Grenzen. Die Reden waren weitschweifig und garstig, und die Comedy-Einlagen wurden zum Teil von schwulen Männern in schlecht sitzenden Dekolletees dargeboten. Zu den großen "Gewinnern" des Abends zählten "Transformers 2" von Michael Bay und der "schlechteste Film des Jahrzehnts", "Battlefield Earth - Kampf um die Erde" (2000) mit John Travolta, ein Science-Fiction-Epos, der auf einem Schundroman von Scientology-Gründer L. Ron Hubbard basiert. Travolta spielt ein fieses Alien mit Gummipranken und grünen Kontaktlinsen. Köstlich.
 
In meiner Anfangszeit bei der Himbeer-Academy habe ich das alles noch sehr ernst genommen und mir jeden der nominierten Filme tatsächlich angeschaut. Es war jedes Mal ein gnadenloses B-Film-Festival. Es gab Vampire ("Bloodrayne" von Uwe Boll), alkoholsüchtigen Teenie-Starlets ("Ich weiß, wer mich getötet hat" mit Lindsay Lohan) und CGI-Katzen ("Garfield 2 - Faulheit verpflichtet"). Dieses Jahr habe ich mir das nicht mehr angetan. Ich hab keinen der Filme gesehen. Andere machen es schließlich auch so, dachte ich mir. Ärgerlicherweise wurden wir dabei von Sandra Bullock ertappt. Sie war nämlich nicht nur für den Oscar nominiert, sondern auch für die Goldene Himbeere als schlechteste Schauspielerin des Jahres, in der Comedy "Verrückt nach Steve" von Regisseur Phil Traill (wer auch immer das ist.) Als Sandra dann tatsächlich gewann, kam sie auf die Bühne, um den Preis persönlich entgegen zu nehmen. Tosender Applaus! Wir waren begeistert. Wir sind es nicht gewöhnt, dass die Stars, über die wir uns lustig machen, auch tatsächlich kommen. In der Regel sind wir lediglich ein Grüppchen besessener Filmfreaks und Außenseiter, die jeder meidet - der Kindertisch von Hollywood.

Auf der nächsten Seite: ""Irgendwie hab ich das Gefühl, dass ihr den Film gar nicht gesehen habt" - Sandra Bullocks Dankesrede.


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