Jerry Cotton
Ein endlos lang gezogener Sketch
18.02.2010, 10:57, Text:
Martin Riemann
Der Film "Jerry Cotton“ ist sowohl im Vergleich zum Heftchen als auch zu den früheren Verfilmungen ein riesiger Schritt in die Steinzeit. Ein endlos lang gezogener Sketch ohne Pointe mit führungslos dahinhampelnden Darstellern.
Der FBI-Beamte Jerry Cotton ist einer der wenigen originären deutschen Beiträge zur Pulp-Kultur. Zusätzlich zur kaum goutierbaren Heftchenreihe hat dem geschwätzigen "G-Man“ vor allem US-Import George Nader ein bis heute unvergessenes Gesicht bzw. eine Betonfrisur verliehen. Die in den 60ern entstandene deutsche Filmreihe mit Nader war zwar alles andere als gut, bestach aber visuell durch die solide Hinwendung zu atmosphärischer Groschenheft-Ästhetik und hat deswegen in Verbindung mit ihrem Potenzial an unfreiwilliger Komik bis heute Schauwert. Eine Neuverfilmung war längst überfällig. Film lebt von der Wiederaufbereitung.
Normalerweise ist dieser Vorgang reizvoll, kann man doch im Rahmen einer festgelegten Ikongrafie stilistische und formale Trends von früher und heute vergleichen. Und normalerweise hat sich da stets einiges getan. Es gibt aber auch Ausnahmen. Vor allem dann, wenn jemand glaubt, im Kino ginge es um „witzige Ideen“ und Schauspieler in ulkigen Kostümen. Der Film "Jerry Cotton“ ist sowohl im Vergleich zum Heftchen als auch zu den früheren Verfilmungen ein riesiger Schritt in die Steinzeit. Ein endlos lang gezogener Sketch ohne Pointe mit führungslos dahinhampelnden Darstellern, die sich offensichtlich im Kostümfundus kichernd selbst bedienen durften. Vor allem ein Eddi-Arent’esk herumkaspernder Christian Ulmen gibt mit seiner ewig auf ein und demselben Scherz herumkauenden Figur des unbeholfenen Sidekicks dem Begriff "Minimalismus“ eine neue Bedeutung. Die Figuren haben Namen wie Sammy Serrano oder Sunny Dollar, und wenn Verbrecherboss Heino Ferch trotz Augenklappe, Narben, Stahlhand und Beinprothese immer noch farblos bleibt, bekommt er eben einen schwäbischen Akzent verpasst. Irgendjemand wird sie schon lustig finden, diese bis zur Monstrosität aufgeblasene Belanglosigkeit.
Jerry Cotton (D 2010; R: Cyrill Boss; D: Christian Tramitz, Christian Ulmen, Christiane Paul, Heino Ferch; 11.03.)
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