Männer die auf Ziegen starren - Meckern übers Militär Artikelbild (groß)

Männer die auf Ziegen starren

Meckern übers Militär

18.02.2010, 12:18, Text: Christian Meyer

Jon Ronson schrieb mit "Männer die auf Ziegen starren“ einen Bestseller über die bizarren Methoden, welche das US-Militär in seinen Hinterstübchen austüftelt. Die unglaublichen Wahrheiten kommen nun mit Mega-Star-Ensemble auf die Leinwand.

Eine der Attraktionen von "Männer die auf Ziegen starren“ ist George Clooneys Look. Mit Schnauzbart und langen Haaren visualisiert er in dieser schwarzen Komödie von Regisseur Grant Heslov den ästhetisch wenig eleganten Ausklang der Hippie-Ära. Allerdings ist die Art, wie hier jene Post-Hippie-Ära und deren New-Age-Auswüchse mit dem US-Militarismus kurzgeschlossen werden, mindestens genauso interessant. Der aufscheinende Komplex beruht auf wahren Begebenheiten, die der Journalist Jon Ronson in der gleichnamigen Buchvorlage zusammengetragen hat.


Die Geschichte um Bill Django (Jeff Bridges) beginnt in den Siebzigern. Nach den Traumata des Vietnamkriegs verliert sich Django zunächst in allerlei esoterischen Spielarten, bevor er mit seinen daraus gewonnenen Ideen Ende der 70er-Jahre beim US-Militär Gehör findet, weil man fürchtet, die Russen seien ihnen in der militärischen Nutzung von Psi-Phänomenen weit voraus. In der Folgezeit beschäftigen sich Django und seine Mitstreiter der sogenannten „New Earth Army“ – neben Clooney und Bridges starbesetzt dank Ewan McGregor und Kevin Spacey – mit Meditation, Remote Viewing, Tanzen und allerlei friedlichen Aktionen, die eine sowohl sanfte als auch überlegene Kriegsführung propagieren. Die Armee ist letztlich vor allem an Letzterem interessiert, und so wird aus dem friedlichen Einsatz von Musik später in den 90er-Jahren während des Irakkriegs eine Foltermethode. Was könnte grausamer sein als die andauernde Beschallung mit überlauter Musik aus dem Kinderprogramm?

Nicht nur diese absurd erscheinende Art der Quälerei ist näher an der Wirklichkeit, als man zunächst glaubt. Die von Jim Channon geleitete Spezialeinheit „First Earth Army“ hat sich seit 1978 tatsächlich mit übersinnlicher Kriegsführung beschäftigt. Die Produktion von Smokehouse, der Firma von Clooney und Regisseur Haslov, schafft es, sich von den unglaublichen realen Hintergründen inspirieren zu lassen. Resultat: ein Antikriegsfilm, der im Zusammenprall von Militär und Esoterik absurden Humor versprüht. Die Lacher sind auf beiden Seiten, die Kritik der Macher gilt aber klar dem Militär – und schließlich der Politik des Irakkriegs. Nebenher gelingt ein genauer Abriss der Gegenkultur und ihres Wandels vom gut gemeinten Ideal über die Institutionalisierung bis zur Korrumpierung.
 


Männer die auf Ziegen starren (USA 2010; R: Grant Haslov; D: George Clooney, Jeff Bridges, Ewan McGregor, Kevin Spacey; 04.03.)



Artikel kommentieren
aus Intro #180 (März 2010)
 
  • Mehr Infos

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
DIE FILMSTARTS DER WOCHE
Drive - Und weitere Filmstarts und Trailer der Woche

Drive

Und weitere Filmstarts und Trailer der Woche
... mehr

 

DVD-EMPFEHLUNGEN

Das neue Fernsehen - Neu auf DVD & Blu-ray

Das neue Fernsehen

Neu auf DVD & Blu-ray
... mehr



 
 

 
Anzeige