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Eine Perle Ewigkeit

Zwischen Trauer und Fröhlichkeit

19.10.2009, 11:38, Text: Barbara Schulz

Die Leinwand ist schwarz. Es ertönt indianischer Gesang einer alten Frau. Sie liegt im Bett und singt, dass sie den toten Penis ihres Mannes Josefo schlucken musste. Dann weint sie. Ihre Tochter, die am Bett sitzt, ist zornig: ''Mutter, wenn du weinst, machst du Flecken ins Bett!''

So beginnt der auf der diesjährigen Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnete peruanische Film ''La Teta Asustada'' (deutsch: die erschrockene Brustwarze). Er erzählt vom Schicksal der jungen Fausta (Magaly Solier), die mit ihrer Mutter und der Familie ihres Onkels in einem Armenviertel von Lima lebt. Weil ihre Mutter in den 1980er-Jahren während des Bürgerkrieges zwischen der Guerilla-Organisation Sendero Luminoso und dem Militär vergewaltigt wurde, leidet Fausta an einem Trauma – getreu dem Mythos, dass Mütter, denen etwas Böses zustößt, den erlittenen Schmerz durch die Muttermilch an ihr Kind weitergeben.


Um sich zu schützen, trägt Fausta eine Kartoffel in ihrer Vagina, die dort wächst und gedeiht und deren Triebe sie stutzen muss. Ihre Gefühle artikuliert sie wie ihre Mutter: lieber durch Gesang als durch Worte. Als die Mutter stirbt, möchte Fausta sie in ihr Heimatdorf bringen, hat aber kein Geld. Zudem nervt ihr Onkel, der seine Tochter verheiraten will und ab dem Tag des Festes keine Toten mehr duldet. Fausta muss handeln und wird Hausmädchen bei einer wohlhabenden Komponistin. Diese lässt sich von Faustas Gesang inspirieren und verspricht ihr für jedes Lied eine Perle. Fausta sammelt eifrig – und muss mit ansehen, wie die Komponistin mit einem ihrer Lieder Erfolge feiert ... Der zweite Film der Regisseurin und Drehbuchautorin Claudia Llosa zeigt triste Armut neben farbenprächtiger Lebensfreude, springt zwischen Trauer und Fröhlichkeit hin und her. Ein Film, der durch seine ruhige Inszenierung verstört – und dessen wunderbar stoische Hauptdarstellerin begeistert.

Eine Perle Ewigkeit (PE/E 2009; R: Claudia Llosa; D: Magaly Solier, Susi Sánchez, Efraín Solís; 05.11.)



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aus Intro #177 (November 2009)
 
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