Die Bucht
Mission Impossible
24.09.2009, 12:26, Text:
Gabriele Scholz
Zum Zwecke der Dressur delfinunfreundlich gefangene Delfine sind nicht die einzige Schweinerei, die Louie Psihoyos mit seiner Dokumentation aufdeckt. In Japan werden die Tiere regelmäßig in großer Zahl massakriert, was nun bewiesen wäre. Von Gabriele Scholz.
Helden – es gibt sie noch, und sie machen obendrein auch noch spannende Dokumentarfilme. Einer davon heißt ''Die Bucht''. Der neue Michael Moore der Meere, Regisseur und National-Geographic-Top-Fotograf Louie Psihoyos, der ehemalige Trainer von Flipper, Ric O’Barry, und ihr bunt zusammengewürfeltes Team aus autoritätstauben Individualisten erzählen die Geschichte einer beschaulichen Stadt in Japan mit einem grauenhaften Geheimnis.
Klingt wie ein Horrorfilmszenario? Ist es auch, nur dass das unvorstellbare Gemetzel gegen Ende des Films leider Wirklichkeit ist und sich Jahr für Jahr im September wiederholt. Alljährlich werden in der Bucht von Taiji Tausende von Delfinen zusammengetrieben, damit aus aller Welt angereiste Trainer sich dort für stolze 150.000 Dollar ein Exemplar aussuchen können, welches dann unter dem ohrenbetäubenden Applaus der Zuschauer im Delfinarium seine Depressionen nähren darf. Bis es ihm vielleicht ergeht wie einer der Flipper-Hauptdarstellerinnen, die laut O’Barry – der es bitter bereut, dieses Milliardengeschäft mit angekurbelt zu haben – in seinen Armen Selbstmord beging, indem sie einfach aufhörte zu atmen!
Die Delfine, die also weniger ''Glück'' gehabt haben, werden in einer hermetisch abgeriegelten Bucht tags darauf brutal niedergemetzelt. Was bislang niemand beweisen konnte ... Doch dem ''Mission Impossible''-Filmteam gelang es mit viel List, Logistik, subversivem Humor und hochauflösenden Kameras, die sie mithilfe von ein paar Freaks aus den Studios von George Lucas in künstlichen Felsen versteckten, das blutige Massaker zu filmen. Das quecksilberverseuchte Fleisch dieser nicht von der Internationalen Walfangkommission geschützten Kleinwale bringt noch einmal 600 Dollar ein. Unter anderem wurden damit bislang in Teufels Schulküche japanische Kinder gefüttert. Diese Schweinerei vermochte der Film dank des wagemutigen Einsatzes zweier Gemeinderäte aus Taiji, die vor laufender Kamera davon berichteten, bereits zu stoppen. Und: Als Ric O’Barrys Team Anfang September mit Reportern aus aller Welt die Bucht aufsuchte, waren weit und breit keine Delfinschlächter und Männer in grauen Flanellanzügen zu sehen. Der tollkühne Dokumentarfilm entlässt uns mit Bowies ''Heroes'' im Abspann. Wer gleich als Held loslegen möchte, kann dies unter der Adresse www.SaveJapanDolphins.org tun.
Die Bucht (USA 2009; R: Louie Psihoyos; D: Joe Chisholm, Mandy-Rae Cruikshank; 22.10.)
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