Public Enemy No. 1
Gewalt und Moral
29.04.2009, 18:00, Text:
Martin Riemann
Ein Epos über den berüchtigten Gewaltverbrecher Jacques Mesrine? Jean-François Richet kommt mit 90 Minuten nicht aus, um die Lebensgeschichte des in Frankreich sehr populären Gangsters zu erzählen. Martin Riemann sprach mit ihm über das zweiteilige Biopic.
Jacques Mesrine gelang es in den 60er- und 70er-Jahren, sich in seinem Heimatland Frankreich zu einer Ikone zu stilisieren. Seine Gewaltverbrechen waren an Dreistheit und Wagemut kaum zu überbieten. Dabei ließ er gerne den Staat als machtlos dastehen und erfreute sich deshalb bei der Bevölkerung allgemeiner Beliebtheit. Seine Autobiografie "Der Todestrieb" war ein nihilistischer Husarenstreich voller Mordgeständnisse, der die Autoritäten offen herausforderte.
Regisseur Jean-François Richet und sein Hauptdarsteller Vincent Cassel widmen dem ehemaligen Staatsfeind Nr. 1 mit gleich zwei "Public Enemy No. 1"-Filmen ("Mordinstinkt" und "Todestrieb") ein hervorragend besetztes Gangsterepos, das an Rasanz und Bleigehalt kaum etwas zu wünschen übrig lässt. Mesrine lernt sein mörderisches Handwerk im Algerienkrieg, arbeitet sich mit Einfallsreichtum und Skrupellosigkeit zum berüchtigtsten Verbrecher Frankreichs hoch, entkommt auf verblüffende Weise immer wieder dem Arm des Gesetzes - und bändelt dabei sowohl mit rechts- als auch linksextremen Terroristen an. Der Regisseur konzentriert sich hauptsächlich auf Mesrines spektakuläre Taten, dessen Gefängnisausbrüche und Liebesleben, was sich wohltuend auf den Unterhaltungswert der Filme auswirkt, aber auch eine Menge Fragen offen lässt.
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