Die Kunst des Clip-Pokerns
Im Interview mit Filmemacher Sandeep Mehta
29.04.2009, 16:29, Text:
Gabriele Scholz
Im letzten Jahr gewann der Filmemacher Sandeep Mehta den MuVi-Publikumspreis, der auch 2009 wieder neben dem Preis der Jury auf den Oberhausener Kurzfilmtagen vergeben wird. Gabriele Scholz sprach mit ihm über Musikclips in Zeiten von YouTube und Putpat.
Können Sie sich an das erste Musikvideo erinnern, das Sie gesehen haben?
Aufgewachsen in Zeiten von "Formel Eins", habe ich jede Woche auf die Sendung hingefiebert. Neue Bilderwelten haben sich mir eröffnet. Es gibt noch einige Videos, die mir aus dieser Zeit in Erinnerung geblieben sind:
"Wild Boys" von Duran Duran - düstere Bilder, bombastisch groß produziert - oder "Thriller" von Michael Jackson. Daran beeindruckte mich besonders die lange Version - eine eigenständige Geschichte wurde im Rahmen des Songs erzählt. Skandalös war damals auch das Musikvideo zu Falcos "Jeanny", das indiziert wurde und nach ein paar Ausstrahlungen nicht mehr im Fernsehen gezeigt werden durfte. Kaum noch vorzustellen in der heutigen Bilderwelt.
Sie haben letztes Jahr mit Ihrem Musikvideo "Aus meinem Kopf" - einer Coverversion eines Kylie-Minogue-Songs der Gruppe Erdmöbel - den MuVi-Publikumspreis gewonnen. Wie ist es seither für Sie weitergegangen?
Auch nicht anders als vorher. Ich war nur überrascht, als ich eine Glückwunschmail vom Head of Columbia bekam. Wir hatten anfangs Schwierigkeiten, das Konzept bei der Plattenfirma durchzusetzen. Der Vertreter der Band bei Columbia wollte anfangs ein klassisches Musikvideo mit Bandperformance, was sowohl die Band als auch ich nicht wollten. Mit der Rückendeckung der Band haben wir zum Glück unsere Idee durchgesetzt, was dann in Oberhausen honoriert wurde.
Was halten Sie von der Auswahl, die die Musikvideo-Jury jedes Jahr trifft?
Prinzipiell sucht die Jury immer nach dem "anderen Musikvideo", was ich gut finde - auch wenn mir nicht immer alle gefallen. Sie geben Experimenten eine Chance.
Was für Qualitäten muss ein Video aufweisen, damit es von der Jury beachtet wird?
Was es auf jeden Fall nicht haben sollte, ist die klassische Bandperformance! Ansonsten sind der Freiheit keine Grenzen gesetzt.
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