X-Men Origins: Wolverine
Der Masochist
24.04.2009, 16:42, Text:
Mark Butler,
Dietmar Kammerer
Selbst für Comicfans war Wolverines Biografie lange Zeit ein Rätsel. Die Ursprünge der Figur, die erstmals vor 25 Jahren in einer Ausgabe von "The Incredible Hulk" auftauchte, wurden nun unter der Regie von Gavin Hood mit Hugh Jackman in der Hauptrolle verfilmt. Dietmar Kammerer und Mark Butler beleuchten für uns die Geschichte eines krassen Außenseiters.
Er ist der bad boy unter den Superhelden: Wolverine, der Mutant mit den modischen Koteletten und den messerscharfen Krallen. Selbst im Outfit der X-Men-Truppe, unterwegs im Auftrag von Professor Xavier, bleibt er der Outlaw, der sich von keiner Seite vereinnahmen lassen will.
Mann ohne Vergangenheit
Eingeführt wird Wolverine Mitte der 1970er-Jahre von Len Wein und Herb Trimpe als übermenschlicher Spezialagent der kanadischen Regierung. Als er ein Jahr später von Professor Xavier für die zweite Generation der X-Men rekrutiert wird, erfahren wir, dass er unter Gedächtnisverlust leidet. Er weiß nicht, wer er ist und wie er das bisherige Leben vor seiner Agentenkarriere verbracht hat. Wolverines Charakter definiert sich lange ausschließlich über seine Taten und Fähigkeiten. So lautet jene charakterisierende Formel, die ihm 1982 von Frank Miller und Chris Claremont eingeimpft wird: "I'm the best there is at what I do, but what I do isn't very nice." Nicht nett? Das ist zurückhaltend formuliert. Was Wolverine besser kann als jeder andere: seine Widersacher töten. Er braucht dafür nicht einmal Waffen. Er ist selbst die Waffe. Die rasiermesserscharfen Krallen, die er augenblicklich aus seinem Handrücken hervorschnellen lassen kann, sind - wie übrigens sein gesamtes Skelett - mit dem widerstandsfähigsten Metall überzogen, das es gibt: Adamantium. Egal, ob Muskelgewebe oder Mauerwerk - die Krallen gleiten hindurch wie ein heißes Messer durch die Butter. Wolverine verfügt über außergewöhnliche Sinneswahrnehmung. Er kann im Dunkeln sehen, hört Gefahren kommen und kann seine Opfer im Verborgenen riechen. Dazu kommt, dass er selbst schwer zu töten ist. Dank seines mutierten X-Gens schließen sich Wolverines Wunden im Handumdrehen. Wie weit diese Fähigkeit zur Selbstheilung reicht, ist unklar, aber sie wird immer wieder getestet. Etwa bei seiner jüngsten Begegnung mit einem grünen Muskelkoloss, der ihn in zwei Teile reißt und seine Beine über den nächsten Berg wirft.
Tier oder Mensch?
Wolverine kokettiert zwar gerne damit, dass er die perfekte Tötungsmaschine ist. Aber er ist alles andere als stolz darauf. Sein größtes Talent ist tatsächlich sein größter Konflikt: Kann er sich als Mensch behaupten - oder gleicht er nicht vielmehr dem Tier, dessen Namen er trägt? Seine animalischen Instinkte, die ihm so oft das Leben retten, nehmen immer wieder überhand und lösen einen Blutrausch bei ihm aus. In den 90er-Jahren erhält dieses Grundschema der Figur einen neuen Dreh, als die Comic-Fans nach und nach Details aus Wolverines Vergangenheit erfahren. Diese Enthüllungsgeschichte dreht sich um die Frage: Wer ist Wolverine, der ansonsten nur als Logan bekannt ist, wirklich? Und woher stammt die unzerstörbare Metall-Legierung seiner Knochen? Schließlich können alle anderen Eigenschaften als genetische Mutation erklärt werden. Aber sein metallenes Skelett markiert Wolverine als wissenschaftliche Schöpfung, genauer: als das Ergebnis eines militärischen Experiments, das den übermenschlichen Soldat zum Ziel hatte: Weapon X.
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