Festivalguide Kino
Frühling der Filmkultur
15.04.2009, 16:39, Text:
Ed Junge
Man muss die Feste feiern, wie sie fallen: Nippon Connection, Kurzfilmtage Oberhausen, Intro-DVD-Edition, Coco@Club und Digitale Lektionen...
Das Frankfurter Filmfestival Nippon Connection ist weltweit das größte Festival für japanischen Film. In ehrenamtlicher Vereinsarbeit organisiert, bietet es auch 2009 wieder einen einzigartigen Überblick über das aktuelle japanische Filmschaffen. Es präsentiert mit über 150 Kurz- und Langfilmen ein breites Spektrum von Anime über Blockbuster bis hin zu Avantgarde- und Dokumentarfilmen, von denen viele als internationale Premieren gezeigt werden. Wie immer sind Filmemacher zu Gast. Neben anderen kommt Ausnahmetalent Kazuyoshi Kumakiri, der "Non-Ko" in Deutschlandpremiere vorstellen wird.
Zu den zahlreichen Highlights gehören das Liebesdrama "Love Exposure" von Sion Sono, das bei der Berlinale mit dem Caligari- und Fipresci-Preis ausgezeichnet wurde, ebenso wie das mit Spannung erwartete Sequel von Kultregisseur Shinya Tsukamotos "Nightmare Detective". Der bereits auf den Filmfestspielen in Cannes gefeierte Film "Tokyo Sonata" von Kiyoshi Kurosawa zeigt den schleichenden Zerfall einer Familie. Das neueste Werk von Hirokazu Kore-Eda, "Still Walking", beschäftigt sich feinfühlig mit dem Thema Tod und wurde international vielfach ausgezeichnet. Eine der schönsten und lautesten Liebeserklärungen an das Musikmachen ist Toshi Lees Manga-Verfilmung "DMC - Detroit Metal City" über ein japanisches Landei mit Popblümchen-Ambitionen, das sich widerwillig als Kiss-geschminkter Frontmann einer Death-Metal-Band in Tokio wieder(er)findet. Fans exquisiter japanischer Anime dürfen sich unter anderem auf "Genius Party" und "Genius Party Beyond" des Studio 4°C freuen, das mit Werken wie "Tekkon Kinkreet" und "Mind Game" bekannt wurde. Die "Nippon Retro" ist dieses Jahr dem Pink-Film von den 1960er-Jahren bis heute gewidmet - einem besonderen Genre des japanischen Erotikfilms, das seinen Regisseuren eine Ausdrucksfreiheit bot, die zwischen politischer Radikalität, Sexploitation und experimenteller Ästhetik schwankte. Das Rahmenprogramm "Nippon Culture" mit dem Schwerpunkt "Sounds" lädt auch dieses Jahr wieder dazu ein, japanische Kultur mit allen Sinnen zu erleben: In atmosphärischen Soundinstallationen, bei unterhaltsamen Hörspielen oder einem Klangkonzert mit Stummfilm und einem japanischen Filmerzähler (Benshi) wird das Wechselspiel zwischen Leinwandbildern und akustischem Raum ausgelotet.
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