Sieben Tage Sonntag
Kein Trost in Sicht
25.02.2009, 16:13, Text:
Wolfgang Frömberg
Nicht nur der Soundtrack mit Songs von The Notwist, Babyshambles, Naked Lunch, Slut, Navel und Portishead macht Niels Lauperts Debütfilm sehenswert. Ihm gelingt eine wahrhaftige Annäherung an eine wahre Begebenheit. Von Wolfgang Frömberg.
Jede vorangeschickte Erklärung, die Geschichte eines Kinofilms basiere auf einer wahren Begebenheit, ist mit Vorsicht zu genießen. Denn sie bestimmt die Erwartungen der Zuschauer und setzt dem gesamten Filmteam eine Prämisse, an der es sich im Folgenden sowohl vor als auch hinter der Kamera zu orientieren hat. Da könnte schnell das Schlagwort "Authentizität" die Runde machen und jegliche Lust auf die filmische Darstellung eines außergewöhnlichen Ereignisses, die sich von der bereits geleisteten Aufarbeitung in anderen, mitunter nicht vertrauenswürdigen Medien unterscheidet, im Keim ersticken. Der Abschlussfilm des Filmhochschulabsolventen Niels Laupert nimmt sich den Fall zweier polnischer Jugendlicher vor, die 1996 die Frage "Kannst du einen Menschen töten?" mit Ja beantworteten. Kein besonderer Grund trieb die beiden Sechzehnjährigen um. Sie wollten sich selbst, einander und der Welt beweisen, dass sie es konnten - und gingen mit äußerster Brutalität zu Werke.
Es lässt sich einiges Positives bemerken zu "Sieben Tage Sonntag". Die Besetzung wartet mit einem erstaunlich wachen Hauptdarsteller-Trio auf, zu dem neben Ludwig Trepte als Adam und Martin Kiefer als Tommek auch Jil Funke als Sara zählt. Diese Dreierkonstellation ist letztlich entscheidend für den Verlauf der Handlung. Während der gut siebzig Filmminuten wird in einfachen Szenen und nahezu unscheinbaren Gesten, die in der jeweils starken Präsenz der einzelnen Akteure aufgehen, mehr über die Möglichkeiten von zwischenmenschlicher Nähe und Distanz erzählt, als man im wahren Leben zu begreifen vermag, wo man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Erschreckend bleibt die Erkenntnis, dass es kaum einen Rest an "Moral von der Geschicht" gibt, da die seelische Verwahrlosung nicht "einfach nur" mit den asozialen Lebensumständen der Mörder zusammenhängt. Die Figuren von "Sieben Tage ..." gehen unter die Haut, weil ihr Wille, reuelos aus dem Konzept der Gesellschaft auszubrechen, nachvollziehbar ist, wenn man nur einen Funken Unzufriedenheit in sich trägt. Unverhältnismäßig sind allein die Mittel und Wege von Adam und Tommek, die sie wählen, weil ihnen keine anderen einfallen wollen. Während die zwei Jungen nach Erwachsenenstrafrecht zu 25 Jahren Haft verurteilt wurden, ergab sich Sara ins Schicksal des grauen Arbeitslebens. Gnadenlos erzählt. Wahrhaft trostlos.
Sieben Tage Sonntag (D 2007; R: Niels Laupert; D: Ludwig Trepte, Martin Kiefer, Jil Funke, Karin Baal; 05.03.)
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