54. Oberhausener Kurzfilmtage - MuVi wird 10 Artikelbild (groß)

54. Oberhausener Kurzfilmtage

MuVi wird 10

21.04.2008, 12:46, Text: Oliver Minck

Die 54. Oberhausener Kurzfilmtage feiern ein Jubiläum: Zum zehnten Mal wird der MuVi-Preis für das beste deutsche Musikvideo verliehen. Seit Anfang an dabei im Organisationsteam ist Festivalleiter Lars Henrik Gass. Mit ihm sprach Oliver Minck.

Der Musik-Clip hat sich in den letzten zehn Jahren vom Leitmedium des Pop zum Randprodukt entwickelt. Wie macht sich das bei euch bemerkbar?
Diese Entwicklung stellt ja in gewisser Weise in Frage, was wir da tun. Der Musicclip wurde vom Musikfernsehen erfunden, nun hat sich diese Gattung komplett davon emanzipiert. Fast keiner der Clips, die wir dieses Jahr zeigen, ist im Fernsehen gelaufen. Trotzdem ist die Gattung nicht totzukriegen. Interessant ist, dass das Musikfernsehen ja gewisse Konventionen mit sich brachte, die jetzt weitgehend entfallen. Dadurch entstehen neue schöpferische Impulse. Aber auch sehr gewalttätige, sehr sexualisierte Musikvideos.




Sind denn klare künstlerische und ästhetische Tendenzen und Entwicklungen auszumachen?
Abseits des richtig kommerziellen Segments gibt es in Deutschland überhaupt keine Budgets mehr. Dadurch entstehen neue ästhetische Strategien: Material aus anderen Filmen wird entwendet und wiederverwertet. Animationen werden wichtiger und Arbeitsweisen, die von Einzelnen am Computer bewerkstelligt werden können.

Wie wichtig sind die Kunsthochschulen für den MuVi-Preis?
Es gab einen Zeitpunkt, da dachte man, das Musikvideo sei nur noch ein Übungsfeld für Filmstudenten. Natürlich haben wir immer wieder und auch in diesem Jahr Videos dabei, die ganz klar zu solchen Zwecken entstanden sind. Dennoch hat das Musikvideo eine solche Selbstständigkeit entwickelt, dass es zu einer eigenen Kunstform geworden ist. Die meisten bei uns gezeigten Videos kommen dementsprechend auch nicht von den Hochschulen.

Was waren deine persönlichen Highlights in zehn Jahren MuVi-Preis? Sind auch absurde Dinge passiert?

Als wir anfingen, war ja gerade die Hochzeit von Regisseuren wie Chris Cunningham und Michel Gondry, deren Arbeiten wir natürlich gezeigt haben. Auch in Deutschland wurden damals sensationelle Clips gedreht, z. B. von Deborah Schamoni für die Goldenen Zitronen oder von Michael Klöfkorn und Oliver Husain für Sensorama. Die absurdeste Geschichte: Chris Cunningham war 1999 zu Besuch auf dem Festival. Er checkte ins Hotel ein, verließ es nicht mehr, ward nicht mehr gesehen und flog dann unverrichteter Dinge wieder zurück.

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aus Intro #160 (Mai 2008)
 
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