[° REC]
E 2007
[R: Jaume Balagueró, Paco Plaza; D: Javier Botet, Manuel Bronchud, Martha Carbonell; 08.05.]
23.04.2008, 13:36, Text:
Dietmar Kammerer
Von "Robinson Crusoe" über "Werther" hin zum "Blair Witch Project", "Cloverfield" und "[°REC]". Dietmar Kammerer war im Kino, um sich den neuesten Horror in Found-Footage-Ästhetik anzusehen - und holt zum blutigen Assoziationskettenmassaker aus.
Nur die Kamera überlebt: Ein paar Jahre ist es schon her, dass im "Blair Witch Project" ein Film die schöne Prämisse durchexerzierte, wonach das, was wir zu sehen bekommen, kein Produkt raffinierter Inszenierung ist, sondern vorgefundenes Material. Das letzte Zeugnis einer dermaßen Schrecken erregenden Begebenheit, dass nur noch die Kamera von ihr berichten kann, weil alle sonstigen Beteiligten ins Gras beißen mussten.
Das Prinzip ist nicht neu: Schon Daniel Defoe vermied es tunlichst, seinen Namen auf der Erstausgabe der Tagebücher eines gewissen "Robinson Crusoe" erscheinen zu lassen. Auch Goethe hat die Briefe des jungen Werther lediglich vermittelnd an die Leser weitergegeben. Okay, genug verstaubte Literaturgeschichte. Das Kino hat das Zepter übernommen und präsentiert in rascher Folge Found-Footage-Horror: Im Januar erst hat J. J. Abrams in "Cloverfield" eine schrumpfende Gruppe von Hobbyfilmern durch New York gejagt, das mal wieder von einer Monster-Attacke heimgesucht wird. Schon im letzten Jahr, aber noch ohne deutschen Starttermin, lieferte George Romero mit "Diary Of The Dead" den fünften Teil seiner Zombie-Saga - angelegt als Video-Tagebuch.
Das Dilemma der Echtzeit-Horror-Dramen liegt darin, dass niemand, der auch nur ein bisschen Verstand bewahrt hat, die Kamera draufhält, wenn eine Gruppe hungriger Untoter auf ihn zu gerannt kommt. Und wenn, ist das Ganze so verwackelt, dass dem Kinopublikum auch ohne Schockeffekte, Kunstblut und offen gelegte Hirnschalen übel wird.
Die Regisseure Balagueró und Plaza dachten sich wohl dasselbe und schicken daher in [?REC] ein Fernsehteam an die Zombie-Front. Die können halt nicht anders. Es beginnt harmlos. Eine Moderatorin und ihr Kameramann verbringen die Nacht in einer Feuerwehr-Station, dokumentieren die Routine, warten auf einen möglichen Einsatz. Dann der Anruf: Eine alte Frau hat sich in ihrer Wohnung eingeschlossen, Nachbarn haben fürchterliche Schreie gehört. Als das Team im Haus ankommt, gerät die Situation innerhalb von Minuten außer Kontrolle - und sämtliche Ausgänge sind abgesperrt, denn die Regierung will eine Verbreitung der Plage verhindern. System zu, Druck erhöhen. Ein intelligent mit den bekannten Elementen inszenierter Schocker für Liebhaber des Genres. Die wahren Fans werden zwar kaum Überraschendes, dafür viel Unterhaltsames darin finden.
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