Before The Devil Knows You're Dead
USA 2007
18.03.2008, 17:38, Text:
Alexander Dahas
Als amerikanischer Autorenfilmer scheint Sidney Lumet auf ein Genre festgelegt zu sein, das in den letzten Jahrzehnten an Prestige verloren hat. Gangsterfilmen wird nur noch ausnahmsweise die Bedeutung zugestanden, auf die sich Werke wie etwa Lumets eigener "Hundstage" in den Siebzigern noch verlassen konnten. Ein Kritikproblem?
Der strukturelle Umbruch in den Formen der Gewohnheitskriminalität animierte New Hollywood damals zu neuen (Anti-) Helden, heute regiert der Folterporno als weithin sichtbarster Punkt auf einem unübersichtlichen Feld unterkomplexer Gewalt. "Before The Devil Knows You're Dead" ist ein beinahe klassizistischer Gegenentwurf im Stile einer muskulösen Erzähltradition und für Lumet eine Rückkehr zur Form.
Die Geschichte dreht sich um ein moralisch ziemlich bankrottes Brüderpaar, das einen Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft plant. Und zwar auf das der eigenen Eltern. Fast scheint es, als hätte Lumet damit eine perverse Fortsetzung seines unangenehm kitschigen "Family Business" im Sinn gehabt, die das romantisierte Bild vom Verbrecher als ehrgeizigem Kleinunternehmer revidiert.
Denn auch wenn Philip Seymour Hoffman eins von den Gesichtern hat, die immer irgendwie schon Niedertracht suggerieren, sind hier keine grimassierenden Gangstervisagen nötig, um die Gewalttätigkeiten zu vermitteln, aus denen der Film praktisch besteht. Dafür reichen die emotionale Tiefenschärfe und die Erkenntnis, dass sie marode ist, die Kernfamilie als Keimzelle der Gesellschaft. Wenn sie heute lebten, hätte man direkt Angst um die Gangster aus den Dreißigerjahre-Filmen.
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