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Meer is nich

D 2008

[R: Hagen Keller; 27.03.]

18.03.2008, 17:23, Text: Alexander Dahas

Festivalidylle: feiern, tanzen, mit Freunden den Sommer genießen. Zelt is nich - geschlafen wird gleich unter freiem Himmel. Lena ist es satt, sich von Besoffenen die Jacke vollkotzen zu lassen. Die 17-Jährige hat zwar keine Ahnung, was sie will, das hier ist es aber definitiv nicht.


 

Auch die Ausbildung, die ihren Eltern für sie vorschwebt, ist nicht ihr Ding. Ihr Vater ist ein arbeitsloser Heuchler, und Lena geht die eigene Orientierungslosigkeit selbst auf den Geist. Aber was willst du machen in der ostdeutschen Provinz, wenn die Perspektiven ernüchternd sind? Antwort: Schlagzeug spielen.


Oje! Wenn sich Kino an Jugendkultur versucht, dann kann das schnell so formelhaft enden wie zuletzt in "Berlin am Meer". Man kann sich aber natürlich auch direkt bei der Zielgruppe selbst nach ihren Träumen, Wünschen und Zielen erkundigen, so wie das zuletzt Bettina Blümner mit "Prinzessinnenbad" getan hat. Der Debütfilmer Hagen Keller sieht die Sache ganz ähnlich und nähert sich seiner unwahrscheinlichen Heldin auf Augenhöhe.

 

Ein Indie-Girl trommelt sich den Frust vom Leib - klingt nach Fetischistenkino, ist aber überraschend einfühlsam. Die Nähe zum Subjekt erreicht Keller beiläufig, aber nachhaltig auch durch die Einbindung von Lenas Schrott-Band Sleazy Inc. Operated in die Handlung und verwirklicht damit eine zeitgemäße Idee von Punk. Elinor Lüdde wurde für ihre Hauptrolle mit dem Bayrischen Filmpreis belohnt. Wohl zu Recht. Sie ist zwar mit Mitte zwanzig ein wenig älter als Lena, verkörpert die Ruhelosigkeit Heranwachsender aber glaubhafter als all die Schmollmünder und Rehaugen, die sonst für so etwas bereitstehen.



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aus Intro #159 (April 2008)
 
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