Shine A Light
USA 2008
02.04.2008, 16:59, Text:
Christian Meyer
Martin Scorsese gönnt sich einen weiteren Altherren-Triumph. Seine Dokumentation des Rolling-Stones-Gigs bei Bill Clintons Geburtstagsparty ist gar nicht so langweilig wie gedacht. Christian Meyer erklärt, wie und warum "Shine A Light" funktioniert.
Besser eine Filmkritik oder eine Konzertbesprechung schreiben? Oder beides hintereinander? Martin Scorsese liefert ein kurzes Intro, das die Scharmützel zwischen ihm und der Band - vor allem Jagger - veranschaulicht. Nach einer Stippvisite von Bill Clinton mit Anhang - die beiden Konzerte, die die Basis für die Rolling-Stones-Konzert-Doku "Shine A Light" liefern, fanden am 29. Oktober und 1. November 2006 im Beacon Theatre in New York anlässlich von Clintons 60. Geburtstag statt - geht es dann gleich los: Die Mitt-60er betreten die Bühne. 16 Kameras sind in Position. Die Konzertsituation hat mit der üblichen Stadiongigantomanie der Band nicht viel gemein: Vor relativ kleinem Publikum und auf einer normal proportionierten Bühne spielen die vier Stones und ihre Dauergäste ohne Mitgliederstatus, Bassist Darryl Jones und Keyboarder Chuck Leavell. Hinzu kommen Bläser und Sänger.
Außerdem treten der ehrfürchtig lächelnde Jack White, der supercoole Bluesveteran Buddy Guy und die peinlich-überkandidelte Christina Aguilera auf. Die Band spielt viel Blues-Rock, sogar ein Country-Stück. Keine Joint Ventures mit VW oder AmEx trüben das wertkonservative Rock'n'Roll-Gefühl. Dennoch ist dieses Reiche-spielen-für-Reiche-Szenario eher strange. Und auch die vor der Bühne stehenden Töchter der Reichen, die den Musikern samt ihrem Bluesrock zujubeln, geben ein komisches Bild ab.
Trotzdem wird es nie langweilig. Dazu tragen zwar auch die hin und wieder eingestreuten historischen Interview-Sequenzen mit den Stones bei, aber neben der infantil-sportlichen Show von Jagger und dem drolligen Posing von Richards ist das vor allem ein Verdienst der Inszenierung: In schnellen Schnitten wechseln die Kameraeinstellungen, springen zwischen den einzelnen Musikern hin und her und fahren an der Bühne entlang und über den Zuschauersaal hinweg. Seltsamerweise wirkt das nie wie eine betont jugendlich entfesselte Kamera - und es führt auch nicht zu einer rockistischen Geilheit, auf die Fingerfertigkeiten zu zoomen. Scorsese hat nach seinen Elvis- und The-Band-Konzertfilmen, seinem Bluesfilm "Feel Like Going Home" und seiner überlangen Dylan-Doku "No Direction Home" wieder einmal gezeigt, dass er Film und Musik wirkungsvoll zusammenbringen kann. Filmrezension und Konzertbericht kommen zu dem gleichen Schluss: überraschend gelungen.
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