Thomas Roth / Verdammt, wir leben noch
Falco, Austrias liebster Außenseiter
03.03.2008, 15:00, Text:
Wolfgang Frömberg
Im letzten Jahr wäre Falco 50 Jahre alt geworden. Vor zehn Jahren ist er bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Das Biopic "Verdammt, wir leben noch" versucht eine Annäherung an die private Person und die öffentliche Figur. Vom "Kommissar" bis zum "Mann mit dem Koks". Wolfgang Frömberg traf Regisseur Thomas Roth in Wien.
Mit Elvis Presley hat der österreichische Bub Johann Hölzel mehr gemein, als man zunächst glauben mag. Nicht nur die Anzahl der Buchstaben seines Künstlernamens legt Analogien nahe. Auch die Abwesenheit der verstorbenen Geschwister - Elvis war einsamer Zwilling, Falco gar einzig überlebender Drilling - und das Faible für verbotene Substanzen verbindet die beiden Sängerknaben. Bewusste Ernährung geht anders. Elvis starb 1977 im Alter von 42 Jahren, Falco trat 1998 kurz vor seinem 41. Geburtstag ab.
Ihr Ruhm wirkt nach. Während jährlich gut eine halbe Million Schwärmer die Pilgerstätte Graceland in Memphis besuchen, um durch Presleys Wohnstube zu tapern, schleichen Falcos Bewunderer auf dem Wiener Zentralfriedhof herum, wo der "erste weiße Rapper" von Mitgliedern der Motorrad-Gang "Outsider Austria" zu jenem Grabe getragen wurde, auf dem eine Glastafel an seine größten Hits erinnert. Elvis wurde zum Abgott, Falco war immerhin ein Weltstar. Von den Gesichtsprominenten der aufsteigenden Boulevardkultur unterscheidet sich seine glamouröse Figur durch ihre vom Alltag enthobene Künstlichkeit. Nachdem er sein Alter Ego als arroganter Schnösel entworfen hatte, existierte "der Hans" nur mehr für sein privates Umfeld. Dass der Bub sich auch dort ab einem gewissen Punkt arrogant und egozentrisch aufführte - davon handelt unter anderem Thomas Roths Biopic "Verdammt, wir leben noch".
Mit Ian Curtis und Bob Dylan hat der in Wien geborene Falco auch was gemeinsam. Nämlich, dass im Jahr von "Control" und "I'm Not There" zudem eine Verfilmung seines Lebens in die deutschen Kinos kommt. Zwar hat "Verdammt, wir leben noch" hierzulande bislang noch keinen Verleih, man kann aber davon ausgehen, dass der kommerziell erfolgreiche Start in Austria mit rund 100.000 Besuchern nach einer Woche dazu beitragen wird, den Film im Jahr des zehnten Todestags von Falco und der Fußballeuropameisterschaft in Österreich auch in der BRD bestens vermarkten zu können.
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