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Heinz Strunk / Fleisch ist mein Gemüse

Die ewige Wurstelei

04.04.2008, 13:18, Text: Lars Brinkmann, Foto: Susanna Goodewardena

Rechtzeitig vor der Veröffentlichung des neuen Romans 'Die Zunge Europas' kommt die Verfilmung von Heinz Strunks Debüt in die Kinos. Eine Komödie zum Weinen? Eine Tragödie zum Lachen? Alter Buck in neuen Schläuchen? Lars Brinkmann traf Herrn Strunk und liefert Erklärungen.

Die vermeintlich schlechte Nachricht zuerst: Der Hamburger Regisseur und Autor Christian Görlitz ('Freier Fall', 'Das Böse', 'Außer Kontrolle', 'Die Geisel') hat 'Fleisch ist mein Gemüse' verfilmt, das erstaunlich komische Buch von Heinz Strunk. Und sein Film ist gar nicht mal so komisch. Wenn man wollte, könnte man Görlitz also vorwerfen, dass er nicht das leistet, was Strunk auf so eloquente Art mit seinem Buch gelungen ist: der Tragödie mit erzählerischen Mitteln direkt in ihrer Schilderung die komischen Seiten abzuringen - oder besser: sie ihr einzuschreiben.


Doch dieser Missstand hat einen guten Grund. Und keine Angst, am Ende dieses Textes ist der Film trotz extremer Untertöne eine Komödie. Warum das so sein muss, erklärt uns aber erst mal der Mann, der uns schon im Deutschunterricht um den Verstand gelangweilt und seine Theaterstücke durchweg als Komödien bezeichnet hat. In seinem gleichnamigen Aufsatz über 'Theaterprobleme' schrieb jener Friedrich Dürrenmatt:

"Die Tragödie setzt Schuld, Not, Maß, Übersicht, Verantwortung voraus. In der Wurstelei unseres Jahrhunderts, in diesem Kehraus der weißen Rasse, gibt es keine Schuldigen und auch keine Verantwortlichen mehr. Alle können nichts dafür und haben es nicht gewollt ... Wir können das Tragische aus der Komödie heraus erzielen, hervorbringen als einen schrecklichen Moment, als einen sich öffnenden Abgrund, so sind ja schon viele Tragödien Shakespeares Komödien, aus denen heraus das Tragische aufsteigt. Nun liegt der Schluß nahe, die Komödie sei der Ausdruck der Verzweiflung, doch ist dieser Schluß nicht zwingend. Gewiß, wer das Sinnlose, das Hoffnungslose dieser Welt sieht, kann verzweifeln, doch ist diese Verzweiflung nicht eine Folge dieser Welt, sondern eine Antwort, die er auf diese Welt gibt, und eine andere Antwort wäre sein Nichtverzweifeln, sein Entschluß etwa, die Welt zu bestehen, in der wir oft leben wie Gulliver unter den Riesen."


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Fleisch ist mein Gemüse als Film?




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aus Intro #159 (April 2008)
 
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